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Positive Eifersucht – gibt’s das?

Eifersucht ist ein quälendes Gefühl. So völlig ohne sie geht es zwar nicht (geht schon, wäre aber ziemlich übermenschlich), aber wenn sie zu stark ist, gerät eine Beziehung schnell mal in arge Schieflage. Warum Eifersucht auch positiv sein kann

Honoré de Balzac hat diesen Widerspruch schön ausgedrückt, wenn er sagt: „Eifersucht ist wie Salz: ein bisschen davon würzt den Braten, aber zu viel macht ihn völlig ungenießbar“. Wir haben mit dem Berliner Psychotherapeuten Dr. Wolfang Krüger über das Phänomen der (positiven) Eifersucht gesprochen.

Dr Wolfgang KruegerSehr geehrter Herr Krüger, die Eifersucht hat einen, gelinde gesagt, miserablen Ruf. Vom leicht paranoiden Kontrollieren des Partners reicht sie in Extremformen bis hin zum Eifersuchtswahn von Shakespeare’schen Ausmaßen („Othello“). Ist denn Eifersucht immer pathologisch?

Die Eifersucht ist grundsätzlich ein Warnsignal, das mir anzeigt, dass die Liebesbeziehung bedroht ist. Insofern ist es eher problematisch, wenn Menschen diese Eifersucht verdrängen. Eine milde Eifersucht wird meist als Kompliment, also als positive Eifersucht empfunden.

An die letzte Frage anknüpfend: Ist denn Eifersucht immer schlecht oder hat sie auch ihre guten Seiten und kann als gesunde Eifersucht gelten?

Die Eifersucht ist eine Art Spürsinn, wir merken frühzeitig, dass sich der Partner entfernt, dass er beginnt, sich für andere Frauen und Männer zu interessieren. Doch mit meinen Beobachtungen und Erkenntnissen muss ich geschickt umgehen. Letztlich geht es immer darum, die Liebesbeziehung so zu stärken, dass der Partner gern treu ist.

Wenn ein Mensch selber unter seiner eigenen Eifersucht leidet und bei Ihnen in der Praxis Hilfe sucht – ist es dann sinnvoll, die Eifersucht zu bekämpfen? Oder löst sie sich gewissermaßen von alleine auf, wenn noch grundlegendere Probleme und Konflikte bearbeitet werden?

Die massive Eifersucht ist ein vielschichtiges Problem. Sie beruht auf schwierigen Kindheitserfahrungen, so dass das Vertrauen in andere Menschen zu gering ist. Dann liegt immer eine  zu großen Abhängigkeit vom Partner vor und eine Vernachlässigung der eigenen Lebensaufgaben. In der Therapie geht es also vorwiegend darum, dass der Eifersüchtige wieder den Schwerpunkt des Lebens in sich findet und aktiv um den Partner wirbt, dass eine intensive Nähe entsteht. Das Augenmerk liegt dabei aber auch auf dem Partner, der oft zu distanziert ist, manchmal auch zu sehr äugelt oder wirklich untreu ist.

Deutet Eifersucht auf ein angeknackstes, labiles Selbstbild hin?

Es gibt verschiedene Grade der Eifersucht. Wenn ich häufig eifersüchtig bin, ist dies immer ein Zeichen für ein geringes Selbstwertgefühl. Ich weiß dann nicht, dass ich etwas Besonderes bin und glaube, leicht durch einen anderen ersetzbar zu sein.

Was kann man tun, wenn der eigene Partner „chronisch eifersüchtig“ ist, obgleich man ihm keinen Grund dazu gibt?

Das ist schwierig, weil es sich hier um eine schwerwiegende Störung und krankhafte Eifersucht handelt, die meist durch sehr unzuverlässige Bindungen in der Kindheit entstanden ist. Dann hat der Partner immer Verlustängste, die er nur durch das Prinzip Kontrolle und Drohungen bewältigen kann. Hier wäre es zum einen wichtig, diesem Partner immer wieder zu zeigen, wie liebenswert und einzigartig er ist. Gleichzeitig muss man sich aber auch gegen die Eifersucht des Partners wehren, weil man sonst alle sozialen Aktivitäten einschränkt. Letztlich hilft hier nur eine Psychotherapie.

Vielen Dank für das Interview!

Kreuz Verlag

Kreuz Verlag

Dr. Wolfgang Krüger arbeitet als tiefenpsychologisch-fundierter Psychotherapeut in Berlin. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Aufarbeitung von Beziehungsschwierigkeiten. Dr. Krüger hat mehrere Bücher zum Thema Eifersucht publiziert.

Mehr Informationen zu seiner Person und seinen Publikationen finden Sie hier.

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Über den Autor/die Autorin

André Martens

André Martens ist Philosoph und Psychologe. Er schreibt leidenschaftlich gern - nicht zuletzt über die Liebe. Ob wir uns diesem Phänomen mit Worten tatsächlich annähern können, ist seine große Lebensfrage. Und solange er die Antwort nicht kennt, schreibt er fleißig weiter.