Ich bin die “Lost in Generation”-Generation

Generation Beziehungsunfähig“, „Generation Maybe“, „Generation Y“: Neue Generationsbeschreibungen, jede Woche ein neues Schlagwort, aber Jule Blogt findet sich nirgendwo wieder

Das macht mir Angst. Allein der Versuch, einer großen Menge von Menschen einen „Stempel“ aufzudrücken, grenzt an Unmöglichkeit. Ich finde diese allgemeinen Zustandsbeschreibungen, welche die aktuellen Befindlichkeiten der 20- bis 40-Jährigen unseres Landes darstellen sollen, absolut daneben. Was bin ich denn nun? Die “Ich weiß gar nicht so recht was ich will“-Maybe-Lady, welche sich von einer „Zusammen, aber doch nicht so richtig“-Beziehung zur nächsten hangelt? Oder die selbstbewusste „Generation Y“-Karrierefrau, die nur einen Job annimmt, bei dem sie am Kicker-Tisch kostenfrei Club Mate trinken darf? Oder vielleicht doch die bindungsscheue „Ich lasse niemanden an mich ran und respektiere meine Individualität“-Single-Dame? Das ist mir alles irgendwie zu modern!

Die Schubladen, die mir geöffnet werden, passen mir einfach nicht. Die eine Schublade ist mir zu eng, in der anderen verlaufe ich mich. Es gibt kleine Ecken, in denen ich mich ganz wohl fühle, aber da sitzen zu viele Leute rum, mit denen ich nichts anfangen kann. Ich bin irgendwie lost. Begründerin der „Lost in Generation“-Generation sozusagen! Und da ich ja so selbstbezogen und eigenwillig bin, ist die meins. Alles meins! Meine eigene Generation, da darf keiner rein. Klappe zu, Affe tot! Ich machs mir schön gemütlich in meiner eigenen Schublade. Die wird wunderschön ausgekleidet mit einem Stückchen Einsamkeits-Stoff, ein wenig „um Kleidchen kaufen zu können, muss ich was tun“-Karriereambitionen, einen Hauch „Familie ist doch ganz geil“-Vorhang und nicht zu vergessen den „Wo ist dieser verdammte Prinz auf‘m weißen Pferd?“-Vorleger. Gemütlich, sehr gemütlich. Ein bisschen chaotisch, aber diese Schublade ist schließlich meine, da kann ich tun und lassen was ich will.

Ich bin irgendwie lost

Hach, wenn das nur so einfach wäre! Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Doch leider hat die Welt das noch nicht verstanden. Leider ist die Welt so arrogant, dass sie sich für mich kleines Individuum nicht interessiert. Sie übersieht mich gerne in meiner kleinen Schublade, die ich so liebevoll eingerichtet habe. Wenn ihr es beliebt, zieht sie mich an den Haaren heraus und wirft mich in die Realität zurück. Denn ich kann mich leider nicht frei machen von den äußeren Einflüssen, die jeden Tag auf mich einprasseln. Das wäre ja auch zu einfach. Ich bin nicht allein auf der Welt. Schade eigentlich, oder? Leider muss ich mich damit abfinden, dass mir manchmal einfach Dinge in meine gemütliche Schublade geworfen werden. Mit voller Wucht schleudert mir die Realität Angst entgegen. Ich versuche sie abzuwehren und mich unter dem Teppich zu verstecken. Die Grausamkeiten dieser Welt sollen an meinem „Wo ist dieser verdammte Prinz auf‘m weißen Pferd?“-Vorleger abprallen! Wozu ist er denn sonst da, dieser mutige Königssohn? Vor den Gefahren dieser Welt soll er mich beschützen. Doch so ganz klappt das nicht. Nur der Wunsch nach einem Beschützer macht den Teppich noch lange nicht dick genug. Und die Angst kann weiter ungehindert auf mich einprasseln.

Was mache ich hier überhaupt?

Angst macht uns heutzutage so vieles. Das große Ganze, die Entwicklung der Weltgeschichte, politische Tendenzen, ökologische Krisen, um nur einige aufzuzählen. Aber nicht nur das, auch die kleineren Dinge wie Jobunsicherheit, Wohnungsmangel und Teuerungsrate, treffen mich wie Tennisbälle aus einer Ballmaschine. Sie drängen mich in die Ecke meiner Schublade. Ich werde so oft am Kopf getroffen, dass ich schon gar nicht mehr weiß, wo ich mich befinde. Wer bin ich, und was mache ich hier überhaupt?


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