Warum ist Dating so frustrierend geworden?

Bereitet Dating heute überhaupt noch Freude? Oder ist das Suchen und Finden eines neuen Partners nur noch Quälerei?

Wir wissen von euch, von euren Liebesgeschichten und Kommentaren und ich erlebe es täglich in der Beratung: Eine glückliche Beziehung ist so erstrebenswert wie nie zuvor und gleichzeitig ist der Weg dorthin derart steinig, dass viele Singles auf halber Strecke registrieren und aufgeben.

Das Netz und die Buchhandlungen sind voll von abschreckenden Erlebnisberichten, von Dates mit “Scheißkerlen” und “Drama Qeens”, nahezu wöchentlich wird ein neuer, fieser Dating-Trend vorgestellt, einer fruchtbarer als der andere. Sie heißen Benching, Gaslightning und natürlich Ghosting – als müsste, was schon schrecklich beginnt auch unbedingt grauenhaft enden. Wohin bewegen wir uns als Gesellschaft, wenn wir den Spaß an Kontakten mit anderen verlieren? Warum bereitet so vielen Menschen Dating Angst? Warum bin ich Single? Wie können wir lernen auf Zurückweisung nicht mit Schutzstrategien zu reagieren, die unsere Partnersuche sabotieren?

Über 40 Prozent der japanischen Singles hatten noch nie Sex (mit einer anderen Person)

Zukunftsforscher und Soziologen zitieren gerne Entwicklungen aus Japan, einer hochentwickelten Gesellschaft, die seit Jahrzehnten gegen eine ständig alternde Bevölkerung kämpft und deren Jugend lieber alleine bleibt als eine Beziehung zu suchen und einzugehen.

Die Gründe hierfür sind vielfältig und lassen sich sicher nicht vollständig auf Deutschland übertragen. So ist der Gruppenzwang hierzulande bei weitem nicht so stark wie in Japan, das Individuum zählt hier mehr, während von Japanern erwartet wird, sich völlig der Gemeinschaft unterzuordnen. Die Erziehung in Japan kommt ohne Zärtlichkeit und dafür mit viel Strenge und Disziplin. Bindungsstörungen sind die Folge und weit verbreitet: etwa 70 Prozent der bis 19 jährigen Japaner sind Jungfrau und über 40 Prozent aller japanischen Singles hatten noch nie Sex mit einer anderen Person.

Auch hierzulande verschiebt sich das Alter des ersten Geschlechtsverkehrs seit Jahren nach oben. Rebellische Jugend? Das war einmal. Die Kinder sind heute puritanischer als ihre Eltern. Sie wissen mehr – vielleicht zu viel dank der Sex-Aufklärung durch die überall und immer abrufbaren Videos im Internet – und machen weniger. Die sexuelle Revolution? Eine Randnotiz der Geschichte. Sie bedeutete einen Turbogang für die Gleichberechtigung der Frau und den Startschuss der Überromantisierung der Liebesbeziehung.

Der AMEFI-Partner (Alles mit Einem für Immer) soll all das leisten, wofür es in den 70ern noch ein ganzes Dorf da war. Gleichzeitig wird Singles und Paaren an jeder Ecke erklärt, wie ihr Höhepunkt noch besser, noch intensiver und lustvoller ausfallen könnte – wenn sie denn den perfektionistischen Ansprüchen genügten die Hochglanz-Bilder in den sozialen Medien vermitteln. Stress pur. Und wenn etwas Sex gründlich verhindert, dann ist es Leistungsdruck.


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