Wenn Mutterglück vom Geburtstrauma überschattet wird

Ohne Aufklärung und Einbeziehung der werdenden Eltern und ohne empathisches Eingehen auf die Bedenken und Ängste und auch Wünsche der Gebärenden ist die Gefahr leider sehr groß, dass die Geburt eine seelische Narbe hinterlässt. Wenn der Arzt die Frau anschreit, sich nicht so anzustellen oder droht, dass sie das Leben ihres Kindes aufs Spiel setzt, wenn sie nicht den Anweisungen folgt, ist es um die guten Bedingungen für eine sichere Geburt geschehen.

Notfallsituationen, wie bei Lina und Marco in unserem Fallbeispiel, gibt es natürlich. Gerade in der Geburtshilfe. Aber auch hier ist entscheidend, dass die werdenden Eltern in den Prozess, so gut wie nur eben möglich, einbezogen werden. Nicht um selbst zu entscheiden, sondern um Ängste zu mindern und letztlich auch „die Seele mitzunehmen“. Lina fehlten leider sämtliche Informationen.

  • Warum der Kaiserschnitt?
  • Warum die Narkose?
  • Was ist mit ihrem Kind?
  • Wo ist ihr Mann Marco?

Sicher kann man nie ausschließen, dass es schlimme Ausgänge einer Geburt gibt, das Kind Schaden genommen hat oder eine Auffälligkeit festgestellt wird, die vorher nicht bekannt war. Das Ausmaß des Traumas, welches sich in solchen extremen Situationen kaum vermeiden lässt, wird jedoch in großem Maße davon abhängen, wie die die Eltern betreuenden Personen auf diese einzugehen in der Lage und geschult sind. Dafür braucht es empathisches Personal und vor allem Zeit.

Fehlendes Personal und zu wenig Zeit begünstigen Traumata

Allerdings sind gerade das fehlende Personal und die mangelnde Zeit die größten Fallstricke in der Geburtshilfe. Kaum eine Frau kann eine Beleghebamme für sich ergattern, die die Geburt von Anfang bis Ende begleitet. Das heißt aber, dass fast jede Frau während des Geburtsprozesses von mehreren Hebammen und mehren Ärzten betreut wird. Und wieder kommt eine neue, fremde Person in den Raum und fingert der werdenden Mutter zwischen den gespreizten Beinen umher.

Und nicht nur der häufige Wechsel des Personals, sondern auch der Orte gehören in den effizenzgetriebenen Ablauf einer Geburtsstation. Man kommt im Krankenhaus an, geht an die Anmeldung, wartet, wird ans CTG angeschlossen und freut sich, wenn man dafür nicht auf dem Flur sitzen muss. Dann geht es ins Wehenzimmer, dann weiter und bereits ohne Hose, nur mit einem Handtuch um die Hüfte, in den Kreißsaal, wenn denn einer frei ist. Intimität und entspannte Atmosphäre sehen anders aus.

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