Wenn Mutterglück vom Geburtstrauma überschattet wird

Die werdenden Eltern können im Vorfeld der Geburt sicher auch einiges tun. Vor allem sollten sie sich informieren. Nicht nur über die Geburtsklinik oder die Geburtsmethoden, sondern auch über mögliche Eingriffe und Techniken, die unter einer Geburt Anwendung finden könnten. Informationen können dabei helfen, Ängste zu minimieren. Sie geben Sicherheit und das führt zu mehr Selbstvertrauen und Selbstbestimmung. Wenn ich weiß, was ich will und nicht will – und was passieren kann, kann ich in der Situation Einfluss nehmen und bin nicht nur passiver Zuschauer meiner eigenen Geburt.

Frauen sollten sich mit ihrem Körper auseinandersetzen und damit, was bei einer Geburt eigentlich genau abläuft. Dann gehen sie vielleicht mit weniger Angst in die Geburt und sind darauf gefasst, wann welche Schmerzen kommen. Das wiederum kann helfen, dass sie sie weniger stark empfinden und weniger Schmerzmittel benötigen bzw. rechtzeitig Bescheid geben können, dass sie nun Hilfe brauchen. Manchen Frauen kann es helfen, neben dem werdenden Vater, der oft genauso überfordert ist wie seine gebärende Frau, eine gute Freundin, die eigene Mutter oder einer sogenannte Doula, die für diese Begleitung speziell ausgebildet ist, mit in den Kreißsaal zu nehmen.

Was tun, wenn die Geburt trotzdem ein Trauma hinterlassen hat?

Manchmal hilft aber auch keine Vorbereitung und selbst die besten Umstände können nicht immer verhindern, dass eine Geburt traumatisch erlebt wird. Die Geburt ist einer der letzten großen Abenteuer, die wir in unserer Zeit erleben können. Sie ist unvorhersehbar und keine werdende Mutter oder Vater in Spe weiß, was dieses existenzielle Erlebnis mit ihr oder ihm machen wird.

Dabei kann der Vater genauso unter dem Geburtserlebnis leiden, er hat zwar selbst keine Schmerzen, aber daneben zu stehen und nichts tun zu können, kann ebenso belastend sein oder auch Schuldgefühle auslösen.

Traumatisierte Mütter und Väter brauchen Gespräche

Sie brauchen Begleitung und Zuhörer, denen Sie von ihren Erlebnissen berichten können. Die Partner können sich gegenseitig stützen und einander zuhören, berichten, wie sie die Situation erlebt haben. Das kann sehr unterschiedlich sein und der Perspektivwechsel kann helfen, die Dinge anders zu sehen und zu interpretieren. Auch der Austausch mit anderen Müttern (z.B. im Rückbildungskurs oder noch auf der Wöchnerinnenstation) kann hierbei helfen.

Manchmal bedarf es aber auch einer professionellen Unterstützung. Erster Ansprechpartner sind sicher die Nachsorgehebamme oder der Frauenarzt. Diese können einschätzen, ob die Frau eine weitere Begleitung oder auch Therapie braucht, um die Erlebnisse und Folgen der Geburt zu verarbeiten. Es gibt spezielle Traumatherapeuten, die Nachsorgegespräche anbieten oder auch Vereine, z.B. Schatten & Licht e.V. (4), die Selbsthilfegruppen oder Beraterinnen empfehlen können. Eine umfangreiche Liste hilfreicher Links rund um die Verarbeitung schwerer Geburten findet sich auch auf Seite der „Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland – Informationen, Austausch, Diskussion.“ (5)

Auf keinem Fall sollte man die Probleme kleinreden und sich selbst verbieten.
Auf der anderen Seite löst nicht jede, nicht optimal gelaufene Geburtserfahrung gleich ein Trauma aus. Es geht an dieser Stelle nicht darum, Frauen Angst zu machen. Zum Glück lassen die allermeisten Frauen die Geburt recht schnell hinter sich, selbst wenn sie nicht gut gelaufen ist. Viele Frauen finden einen pragmatischen Umgang damit und können frei und ohne Angst einer nächsten Schwangerschaft entgegensehen.

An dieser Stelle geht es darum, die Frauen, denen dies nicht gelingt, nicht aus dem Blick zu verlieren und ihnen zu sagen: Du bist nicht allein mit Deiner Erfahrung und es steht Dir zu, damit zu hadern. Es gibt Hilfe und man kann lernen, die traumatischen Erlebnisse zu überwinden.

Literatur:

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Kristeller-Handgriff

(2) https://www.mother-hood.de/sichere-geburt/was-bedeutet-sichere-geburt.html

(3) https://editionf.com/gewalt-unter-der-geburt-roses-revolution-day

(4) https://www.schatten-und-licht.de/index.php/de/

(5) http://www.gerechte-geburt.de/links/verarbeitung-von-schweren-geburten/

Weiterführende Informationen:

https://die-sichere-geburt.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Sanfte_Geburt

http://christina-mundlos.de/hilfe-unterstuetzung-bei-geburtsverarbeitung-geburtstrauma/ (aktuell gehaltene Liste von Anlaufstellen für Hilfe & Unterstützung bei Geburtsverarbeitung/Geburtstrauma)

http://christina-mundlos.de/10-tipps-fuer-eine-gewaltfreie-geburt/

https://www.mother-hood.de/aktuelles/aktuelles.html

http://www.greenbirth.de/

https://www.hebammenfuerdeutschland.de/

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