Wenn Mutterglück vom Geburtstrauma überschattet wird

Aber: Eine Geburt kann gut und sicher verlaufen. Sie sollte so erlebt werden können, dass weder Mutter noch Vater noch Kind physischen oder psychischen Schaden nehmen und unter dem Eindruck der Abläufe unter der Geburt noch sehr viel später leiden.

Was verstörend, verletzend oder gar traumatisierend wirken kann, ist von Frau zu Frau verschieden. Es gibt nicht den einen Grund oder Auslöser. Manche Frauen reagieren auf jedes unbedacht ausgesprochene Wort sensibel oder mit Angst. Sie erleben schon einen etwas hektischen Ablauf oder rauen Umgangston als traumatisch.

Mütter erleben bei einer Geburt oft ein Gefühl des völligen Ausgeliefertseins

Wir müssen verstehen, dass sich eine Frau im Gebärprozess in einer existenziellen Situation befindet, die – in der Regel – von bis dahin nie erlebten, extremen Schmerzen begleitet wird. Zudem haben viele Frauen Angst vor der Geburt, Angst vor der unbekannten Situation.

  • Was passiert mit mir und meinem Körper?
  • Wie wird sich meine Beziehung verändern?
  • Was bedeutet es, ein Kind zu haben?
  • Bin ich der Belastung gewachsen?

In so einer Lage ist man besonders empfindlich und auch angreifbar. Und dies nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. Neben den Schmerzen, auf die man gefasst und die man sicher zu ertragen bereit und in der Lage ist, haben werdende Mütter oft ein Gefühl des völligen Ausgeliefertseins. Das vor allem vor dem Hintergrund der vielen massiven medizinischen Interventionen, die eine Geburt heutzutage (leider viel zu oft routinemäßig) begleiten.

Vor allem, wenn die Maßnahmen ohne ihr Einverständnis oder ohne, dass die Frau vorher informiert wurde, durchgeführt werden. Die Maßnahmen reichen von der (ungewollten) PDA oder der Gabe wehenfördernder Mittel, über Dammschnitte und anschließendem Nähen (zum Teil ohne örtliche Betäubung) oder auch (zu früh durchgeführten) Kaiserschnitten. Auch beklagen aufgeklärte Hebammen und Geburtshelfer, dass die kontinuierliche CTG-Überwachung in der Austreibungsphase, so genannte Kristeller-Manöver (1) oder das sofortige Abnabeln wissenschaftlich nicht ausreichend belegt seien, aber noch viel zu oft im Kreißsaal Anwendung finden.

Heutzutage laufen nur etwa 7 Prozent der Geburten ohne irgendeine medizinische Intervention ab (2) und viele dieser Eingriffe könnten vermieden werden, vor allem wenn es nicht mehr darum geht, individuell abzuwägen, ob ein bestimmter Eingriff bei dieser speziellen Frau unter den gegebenen Bedingungen wirklich notwendig und sinnvoll ist, oder ob es eben eine Maßnahme ist, die immer und routinemäßig durchführt wird. Gerade letzteres kann traumatische Erlebnisse hinterlassen, weil die Gebärende ihrer Möglichkeit der aktiven Teilnahme, Entscheidungsfähigkeit und Selbstbestimmung beraubt wird.

Geburtstrauma durch fehlende Aufklärung und Mitbestimmung

Natürlich sind viele der Interventionen notwendig und nicht jede Maßnahme hinterlässt eine traumatisierte Frau. Es hängt vor allem von der Art und Weise ab, wie die Intervention durchgeführt wird, ob sie die Frau (oder auch den sie begleitenden Mann) verstört zurücklässt.

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