Wir lassen uns alle blenden …

Irgendwann lernten sich Bernhard und Britta kennen. Sie trafen sich auf der Party eines gemeinsamen Bekannten. Sie lächelte ihn an, er kümmerte sich fortan um ihre Getränkeauswahl. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Er konnte ihr materiell alles bieten. Und er glaubte nicht, dass Britta in ihrem Innersten einen Berg Probleme in sich trug, Probleme die er nicht kannte, Probleme die ihm stets andere abnahmen, Themen, für die er nie eine Lösung finden musste. Er ließ sich also von Britta blenden. Weil auch er die Möglichkeit ausblendete, dass Britta mehr hatte als nur ihr attraktives Aussehen. Er glaubte eben, weil sie so hübsch sei, dass sie glücklich wäre und das Leben mit ihr einfach nur ein Traum wäre. Gleichzeitig dachte er, dass man sich für Geld alles kaufen kann, warum nicht auch das Herz einer Frau wie Britta?

Das Herz einer Frau mit Geld kaufen?

Geld war seine Problemlösungsstrategie. Dass er damit nur seine Eltern kopierte, also auch kompensierte, das war ihm nicht bewusst. Britta dagegen fühlte sich aufgewertet. Sie fühlte sich sogar geliebt. Entweder machte er ihr viele Geschenke, er lud sie zum Essen ein oder sie verbrachten das Wochenende nur im Bett. Auch sie ließ sich von seinem Reichtum blenden. Emotionale Gespräche auf Augenhöhe fanden so gut wie nie statt. Er sah keinen Grund dafür. Und sie wollte sich ihm nicht aufdrängen.

Irgendwann jedoch wollte Britta sich mitteilen. Sie wollte mit ihm über ihre Kindheit sprechen. Sie suchte das Gespräch. Sie hielt es für notwendig mit ihm darüber zu reden. Doch Bernhard war dafür nicht empfänglich. Er hatte auch keinerlei Verständnis dafür, denn aus seiner Sicht war alles okay. Er war im Grunde überfordert damit. Er kannte das nicht. Er wusste nicht, dass auch so was gibt. Aber das wollte er sich nicht eingestehen. Das passte auch nicht zu dem Bild, was er von seinen Eltern mitbekommen hat. Und ihre Vorwürfe tat er ab als typisches Rumgezicke, möglicherweise habe Britta ja mal wieder ihre Periode.


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