Ich will nicht länger vor der Liebe weglaufen

Unsere Autorin Jana Seelig kennt das Gefühl, vor der Liebe weglaufen zu wollen, nur zu gut. Warum sie sich dazu entschieden hat, nicht länger zu fliehen, wenn es ernst wird, und wie ihr innerer Kampf mit sich selbst aussieht, beschreibt sie in ihrer neuen Kolumne

Dieser Moment in einer zwischenmenschlichen Beziehung, wo es wirklich ernst wird. Wo es zu viel ist, um es noch ganz locker „daten“ zu nennen, aber zu wenig, um bereits von einer Partnerschaft zu sprechen. Das ist der Augenblick, in dem ich am liebsten weglaufe. Nicht unbedingt vor meinem Gegenüber, sondern mehr so von mir selbst. Und meinen eigenen Gefühlen.

Es ist der Punkt, an dem man sich entscheiden muss. Entscheiden, sich vollständig auf einen neuen Menschen einzulassen, oder aber, ihn ziehen zu lassen und gar nicht erst zu versuchen, sich seinem Gegenüber vollständig hinzugeben, mit allen Macken und Makeln. Mit dem Wissen, dass man verletzt werden könnte, wenn man es tut. Dass aber auch das komplette Gegenteil möglich ist. Liebe erfahren und Liebe geben.

In diesem Augenblick werde ich regelmäßig von all meinen Unsicherheiten überrumpelt. Und obwohl ich weiß, dass sie da sind, und auch, dass dieser Moment auf jeden Fall kommen wird, bin ich jedes Mal aufs Neue überrascht, wenn es passiert. Meistens laufe ich dann weg. Einfach, weil es so viel simpler ist, als sich dem Gefühl zu stellen und die eigenen Ängste und Befürchtungen mal ganz kurz hintenanzustellen, solange sie nicht wirklich eingetreten sind.

Ich will gar nicht wissen, wie viele potenziell glückliche Beziehungen ich bereits auf diesem Weg vernichtet habe, bevor sie überhaupt begonnen hatten. Nur weil ich zu feige war, einfach mal geradeaus zu gehen, statt rechts oder links abzubiegen. Weil ich ein Hindernis gesehen habe, das überhaupt nicht da war. Weil ich mir selbst gesagt habe, dass es doch sowieso scheitern wird irgendwann, weil nun mal alle Beziehungen früher oder später auseinandergehen. Weil meine Furcht vor eventuellem Schmerz größer war als die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Größer als das, was ich in einem potenziellen Partner sah.

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