Keine Angst vor Paarsymbiose

Schlafrhythmus als Beziehungsbarometer

Teilen glückliche Paare ein Bett, passt sich sogar ihr Schlafrhythmus aneinander an. So konnten Forscher der University of Pittsburgh beweisen, dass solche Paare ihren Schlaf-Wach-Rhythmus durch alle Schlafphasen hindurch synchronisieren. Insbesondere die Beziehungszufriedenheit der Frau soll angeblich deutlich am Grad der nächtlichen Schlafsynchronisation abgelesen werden können.

Gemeinsame Flora

Neben dem Bett teilen die meisten Paare auch noch ihre Bakterien (von Haut und Mundschleimhaut). Das fanden Forscher der University of Waterloo heraus. Bereits neun Küsse pro Tag führten schon dazu, dass sich die Mundflora von Paaren dauerhaft angleicht. Was ziemlich unromantisch klingt, kann leider auch gesundheitliche Nachteile mit sich bringen. So konnte das Forscherteam belegen, dass die Übertragungsrate von Parodontose-Bakterien mit über 36 Prozent bei Paaren besonders hoch lag. Diese Bakterien bewirken nicht nur einen Rückgang des Zahnfleisches, sondern erhöhen auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Geteiltes Leid ist halbes Leid?

Grundsätzlich birgt die Paarsymbiose in Punkto Gesundheit einen kleinen Wermutstropfen. So brachte  eine Studie der University of Nottingham zu Tage, dass Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eines Partners, das Erkrankungsrisiko des anderen verdoppeln. Bei Magengeschwüren, Asthma und Depressionen erhöht sich die Erkrankungs-Wahrscheinlichkeit sogar um 70 Prozent. Doch jetzt nur keine Panik. Diverse Studien attestieren Verheirateten eine höhere Lebenserwartung als Alleinstehenden. Dennoch, zu viel Verbundenheit kann mitunter auch weh tun: So zeigte ein anderes Experiment, dass bei innig miteinander verbundenen Paaren nicht nur das Schmerzzentrum des Gehirns angeregt wird, wenn der Person selber im Versuch physischer Schmerz zugefügt wurde, sondern auch, wenn sie den Schmerz beim Partner miterlebt hat.

Wann die Reißleine ziehen?

Bis auf diese Wermutstropfen ist es also nur positiv zu bewerten, wenn Paare mit der Zeit optisch zu einem gemeinschaftlichen Prototyp morphen. Der physische Partnerlook ist also unbedenklich. Was gut ist, ist er doch sowieso nicht beeinflussbar. Erst wenn Mimik, Gestik und Stimme eines Paares irgendwann derart konform gehen, dass Psychologen wie Cameron Anderson von der kalifornischen Berkeley University dabei von „derselben emotionalen Person“ sprechen, fängt die emotionale Konvergenz womöglich an, bedenklich zu werden. Kommt es darüber hinaus zu einer vollkommenen Angleichung persönlicher Interessen und Verhaltensweisen, sollten die Alarmglocken langsam anfangen zu bimmeln. Spätestens wenn ein Paar anfängt, die Sätze des jeweils anderen zu beenden und nur noch von „wir“ spricht , sollte die Reißleine gezogen werden. Oder zumindest ein wenig gekappt. Vielleicht, indem die gemeinsame E-Mailadresse zugunsten zweier eigener aufgegeben wird. Oder der Jack Wolfskin Partnerlook eingemottet wird.

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