Ungeliebte Kinder werden Erwachsene, die nicht lieben

Jonathan Bern fragt sich, ob dieser Satz stimmt und geht der eigenen Kindheit auf die Spur: War sie Fluch oder Segen für sein Beziehungsleben?

„Kinder, die man nicht liebt, werden Erwachsene, die nicht lieben.“ – Pearl S. Buck

Dieser Satz verfolgt mich schon lange, weil ich darin einen Teil meiner eigenen Geschichte wiederfinde. Anders als seine Freunde sucht man sich seine Familie schließlich nicht aus. Sie prägt einen – zum Guten und zum Schlechten. Wichtig ist, sich mit seiner Kindheit auseinanderzusetzen, um die Chance zu haben, aus seinen Fehlern zu lernen, um so eine glückliche Beziehung aufbauen zu können.

Kann ich Geborgenheit schenken, wenn ich sie früher nicht erlebt habe?

Nach jeder Trennung habe ich mich gefragt, inwiefern meine Eltern dafür mitverantwortlich waren. Suche ich nur eine bequeme Entschuldigung für das Scheitern einer Beziehung oder gab es Gründe, die ich aufgrund der Erfahrungen als Kleinkind nicht beeinflussen konnte?

Sicher gibt es viele Menschen, deren Kindheit schlimmer als meine war. Kinder, die Gewalt ertragen mussten, eine finanzielle oder sonstige Not. Es hinterlässt lebenslange Narben. Doch diese Narben entstehen auch durch emotionale Missstände. Ich würde für mich behaupten: Seelische Misshandlung kann genauso schwere Folgen wie körperliche Gewalt haben.

Eltern die keine Verantwortung übernehmen

Ich erinnere noch ganz genau an den Tag, als mein Vater mich in das Internat begleitete, wo ich die nächsten Jahre verbringen sollte. Es war in Paris – eine für mich fremde Stadt – und ich sprach bis dato nur deutsch, weil ich im Saarland lebte. Er sagte mir, dass er sich von seiner Frau trennen würde und verabschiedete sich.

Ich war fünf Jahre alt. Meine Schwester durfte zwei Jahre später nachkommen, sie war damals vier. Unsere Eltern hatten beide versagt, auch wenn meine Mutter die Trennung nie überwunden hat. Wir hatten zum Glück unsere Großeltern und andere Menschen, die uns ein wenig Geborgenheit geschenkt haben.

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