Risiken und Nebenwirkungen der Liebe

Kein Heilmittel ohne Risiken und Nebenwirkungen. Auch wenn die Liebe manche Wunden zu verheilen vermag und uns „ganz“ macht, kann sie Schattenseiten haben, die wir allzu gerne verdrängen

Die meisten Menschen haben im Leben schon die eine oder andere Wunde erlitten. Gemeint sind nicht Schürf- oder Schnittwunden, sondern Herzrisse. Erlebnisse, die uns emotional aus der Bahn rissen. Verletzungen, die nach wie vor unser Selbstverständnis und unsere Liebesbiographie prägen. Erfahrungen, die wir am liebsten niemals gemacht hätten, ohne die wir jedoch nicht die Person geworden wären, die wir heute sind.

Wer verletzt wurde, der sucht ein Heilmittel. Denn einfach nur der Zeit zu vertrauen, ist nicht nur schmerzvoll, sondern vor allem auch riskant. Schlechte Erfahrungen führen nicht zwangsläufig dazu, dass wir beim nächsten Mal klüger, schlauer und vorsichtiger handeln. Manche Fehler wiederholen wir wieder und wieder, wenn wir sie uns nicht bewusstmachen und den Mut aufbringen, konsequent gegenzusteuern.

Könnte nicht die Liebe das Heilmittel für alle meine Wunden sein?

An dieser Stelle kommt bei vielen Verwundeten die Liebe ins Spiel. Dann heißt es im nächtlichen Selbstgespräch: Könnte nicht die Liebe jenes Mittelchen sein, das mir alles Leid nimmt und die Vergangenheit im Vergessen entsorgt? Liebe heilt alle Wunden. Liebe hat Zauberkräfte … Als Folge wird die Liebe mit Erwartungen überschüttet, so wie manche Eltern ihre Kinder mit Erwartungen überschütten, die sie früher selber nicht erfüllen konnten oder wollten. Doch eine alte Weisheit aus der Pharmakologie besagt auch: Es gibt kein Heilmittel ohne Nebenwirkungen. Heißt: Wenn man die Liebe in die Rolle drängt, ein verletztes Herz zu heilen, wird sie immer auch ihre Schattenseiten haben.


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