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Meine Depression führte zur Trennung

Depression in der Partnerschaft? Nur nicht verdrängen, denn das führt ganz sicher zur Trennung. beziehungsweise-Autor Jonathan Bern schildert für uns seine persönlichen Erfahrungen

Heute frage ich mich manchmal, wieso ich damals die Symptome meiner Depression nicht richtig einordnen konnte. Vielleicht war ich einfach nicht in der Lage, die Augen zu öffnen. Absurde Streitereien über Themen wie Einkaufen oder Kochen zerstörten nach und nach die Harmonie unserer Beziehung.

Viele Zwänge diktierten mein Verhalten, aber ich war nicht in der Lage, dies zu sehen und zuzugeben. Die wiederholten Auseinandersetzungen raubten uns zu viel Energie und wir schwiegen immer öfter. Ich zog mich mehr und mehr zurück, weil ich mich wie gelähmt fühlte. Meine Freundin sah mich nur noch fassungslos an und verstand unsere Welt nicht mehr.

Ich hatte das Gefühl zu ersticken, war aber nicht fähig, mit ihr darüber zu reden. Nach dem Büro ging ich oft allein spazieren oder saß im Café neben unserer Wohnung, um den Kopf frei zu bekommen. Es dauerte viel zu lang, bis ich verstand, dass ich an einer Depression litt.

Ich litt an Depression und träumte von perfekten Harmonie

Die Krankheit Depression verschwindet nicht von allein wie eine Erkältung. Ich hatte damals nicht den Mut, mich der Wahrheit zu stellen. Ich spürte eine innere Angst, die sich immer mehr ausbreitete und mein Leben bestimmte. Ich befand mich auf der Flucht und isolierte mich immer mehr.

Wenn Freunde uns abends zuhause besuchten, reagierte ich mit Stress anstelle von Freude. Statt den Abend zu genießen und meine Sorgen zu vergessen, erfand ich einen Grund, um früh schlafen zu gehen. Vielleicht grenzt es an soziale Phobie, da ich mich heute immer noch unwohl in größeren Gruppen fühle.

Im Nachhinein erkenne ich bestimmte Verhaltensmuster, die sich als Symptome meiner depressiven Erkrankung herausstellten. Ich träumte von einer perfekten Harmonie, die es nicht gibt. Wenn beide sich lieben und als Paar weiterwachsen möchten, dachte ich, dass es Sinn macht zusammenzuziehen. Kein Mensch hatte mich dazu gezwungen und deshalb konnte ich nicht verstehen, warum ich mich nach einer Weile eingeengt fühlte. Rückblickend trafen wir diese Entscheidung viel zu schnell und ohne uns wirklich zu kennen.

Mein Glas war immer halb leer

Ich weiß nicht, ob eine sofortige Psychotherapie meine damalige Partnerschaft hätte retten können. Auf jeden Fall wäre es ratsamer gewesen, viel früher professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich hatte als Kind gelernt, den seelischen Schmerz auszuhalten. Damals musste ich mit meinen Problemen allein zurechtkommen – ohne den Rückhalt einer richtigen Familie.

Unbewusst ging ich den Konflikten später in meinen Beziehungen immer wieder aus dem Weg. Zu verdrängen erschien mir viel einfacher, als konstruktiv zu streiten, da ich es nie gelernt hatte. Mich zu öffnen und zu vertrauen empfand ich als eine immense Herausforderung.

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Über den Autor/die Autorin

Jonathan Bern

Jonathan Bern ist teils in Deutschland und teils in Frankreich aufgewachsen. Seine Wahlheimat bleibt Nizza, wo er mit 17 auf die merkwürdige Idee kam, einen Magister in Germanistik zu machen. In dieser Zeit schrieb er einen Artikel für die renommierteste französische Zeitung "Le Monde" und beschloss Journalist zu werden. Die Zeitung, bei der er einen Job fand, musste nach einem Jahr Konkurs anmelden und so landete er bei einer Airline, um seine Miete zu zahlen. Seitdem träumt er davon, irgendwann ein Buch zu schreiben..