Wir verwenden eigene Cookies und Cookies Dritter, um die Nutzung der Website zu analysieren und um Werbung auf unserer und anderen Websites auszuspielen.
Verpassen Sie
keinen Artikel mehr!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an:
per WhatsApp oder per E-Mail!

Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.
Ich möchte per E-Mail von beziehungsweise (PE Digital GmbH) über aktuelle Artikel rund um die Liebe sowie über Produktangebote informiert werden. Diese Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Kontaktadressen entnehmen Sie unseren Datenschutzhinweisen.
Verpassen Sie keinen Artikel mehr!

Folgen Sie uns jetzt auf WhatsApp!

Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.

Meine Depression führte zur Trennung

Ich hatte meiner Freundin erzählt, dass meine Eltern in meinen Augen versagt hatten. Sie wusste, dass Einsamkeit und die Verletzungen der frühen Kindheit ihre Spuren hinterlassen hatten. Sie hoffte, mit ihrer Liebe meine Dämonen besiegen zu können. Ich wollte es so sehr glauben, da ich jetzt ein erwachsener Mensch war, der seinen eigenen Weg ging.

Ich hatte mein Studium absolviert und konnte mich beruflich behaupten. Das Glas blieb leider immer halb leer. Es ist, als ob man immer wieder versucht, gegen den Strom zu schwimmen und irgendwann verlassen einen die Kräfte. Als diese langjährige Beziehung zerbrach, fiel ich in ein tiefes Loch und erst nach langer Behandlung sah ich wieder etwas Licht am Ende des Tunnels.

Ausgebrannt fühlte ich mich damals auch, weil ich jahrelang viel Energie investieren musste, um den beruflichen Alltag zu meistern. Mehrmals dachte ich, dass es Sinn machen würde, mich in der Firma als depressiv zu „outen“. Ich habe mich dennoch entschieden, diese Erkrankung nicht zu erwähnen aus Furcht vor der Reaktion meiner Kollegen. Die Thematik seelische Gesundheit wird immer wichtiger besonders in den Konzernen, aber es bleibt jedem überlassen, wie er damit umgeht. Seit kurzem engagiere ich mich ehrenamtlich beim „Münchner Bündnis gegen Depression“, auch um andere Menschen zu informieren.

Hauptsache, nicht mehr verdrängen

Heute hat sich meine Psyche stabilisiert, auch wenn es keine Heilung im klassischen Sinne gibt. Diese negativen Gefühle werden ein Teil meines Lebens bleiben, aber ich empfinde sie nicht mehr so bedrohlich wie früher. Sie erschweren mir das Leben bei einem neuen Date, wenn ich nicht weiß, ob und wann ich das Thema Depression ansprechen soll.

Es ist sicher kein Zufall, dass ich meistens Frauen kennenlerne, deren Seele auch gelitten hat. Diese Menschen ziehen sich an, was aber nicht bedeutet, dass sie zueinander finden. Hauptsache, nicht mehr verdrängen, sich nicht verstellen, um den Schein zu wahren. Ich denke, es ist sinnvoll, vorsichtig mit dem Thema umzugehen und einem neuen Partner viel Zeit zu lassen. Und wenn sich alles richtig anfühlt, bereit sein, eine neue Reise zu zweit anzutreten.

Depressive Erkrankungen sind kein Tabuthema mehr und es gibt viele Hilfsmöglichkeiten. Dennoch glaube ich, dass Aufklärung weiterhin wichtig ist. Sich ein wenig down zu fühlen ist vielen von uns bekannt. Ich möchte in der Lage sein, jemandem zu erklären, was es bedeutet, keinen Ausweg zu sehen.

Viele Menschen durchleben Momente der Einsamkeit aber nicht alle – zum Glück – denken, dass sie deshalb in einer Zwangsjacke gefangen sind. Ich konnte mich davon befreien. Es macht keinen Sinn, ewig vor sich selbst wegzulaufen.

Seite 1 2
Verwandte Themen:

Über den Autor/die Autorin

Jonathan Bern

Jonathan Bern ist teils in Deutschland und teils in Frankreich aufgewachsen. Seine Wahlheimat bleibt Nizza, wo er mit 17 auf die merkwürdige Idee kam, einen Magister in Germanistik zu machen. In dieser Zeit schrieb er einen Artikel für die renommierteste französische Zeitung "Le Monde" und beschloss Journalist zu werden. Die Zeitung, bei der er einen Job fand, musste nach einem Jahr Konkurs anmelden und so landete er bei einer Airline, um seine Miete zu zahlen. Seitdem träumt er davon, irgendwann ein Buch zu schreiben..