Offener Brief: An die Männer, die ich nicht geliebt habe

Warum ich euch aus tiefstem Herzen dankbar bin, obwohl aus uns nichts wurde

Sind wir mal ehrlich: Mindestens 50 Prozent aller erster Dates sind ein Reinfall – manchmal ein kleiner, manchmal aber eben auch ein großer. Wenn man innerhalb von Sekunden weiß, dass die Nummer gelaufen ist und man trotzdem noch bleibt, weil man höflich ist oder der Wein gut schmeckt. Klammern wir diese Fälle mal aus, bleiben etwa 40 Prozent, die einem das „auf Nimmerwiedersehen“ nicht so einfach machen. Weil sie wahnsinnig nett, lustig, gut erzogen und sogar nett anzugucken sind. Die eigentlich alles haben, was Frauen sich wünschen. Andere Frauen. Denn auch, wenn alles noch so gut zu passen scheint: Ohne die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch geht bei mir leider nichts.

Die Chemie stimmt – oder sie stimmt eben nicht

Grundsätzlich finde ich ja, dass jeder eine zweite Chance verdient hat, so ziemlich immer und überall. Aber verspüre ich bei einem ersten Date nicht mal das leiseste bisschen körperlicher Anziehungskraft, weiß ich aus Erfahrung sehr genau, dass die auch nicht beim zweiten oder dritten Treffen plötzlich um die Ecke kommt. Entweder die Knister-Chemie stimmt oder sie stimmt nun mal nicht. Das macht einen Mann nicht zwingend zu einem schlechtem Mann, sondern eben nur zu einem, der nicht meiner wird. Über diesen erheblichen Teil der durchschnittlichen Date-Ausbeute denke ich also nicht negativ oder halte die gemeinsam verbrachten Stunden sogar rückblickend für Zeitverschwendung. Im Gegenteil: Jeder dieser Männer hat mir etwas gegeben, wofür ich heute mal danke sagen möchte.

Danke für euch und alles

Eure Gegenwart ist angenehm und ihr seid tolle Gesprächspartner. Ihr lacht an den richtigen Stellen, vertretet ordentliche Ansichten, seid nicht auf den Mund gefallen und habt trotzdem Manieren. Und ihr stellt Fragen, gute Fragen. Damit demonstriert ihr nicht nur auf angenehme Weise eure Rhetorik-Skills, sondern auch echtes Interesse an meiner Person. Ihr behandelt mich einen ganzen Abend lang aufmerksam, schaut mir in die Augen statt ins Dekolleté und lächelt, wenn ich spreche. Wisst ihr, was das mit mir macht? Es gibt mir ein verdammt gutes Gefühl. Weil es mich – inmitten all der Kennenlern-Katastrophen, der Total-Flops und Dates, bei denen nur ein Herz Funken schlug, nämlich meins – daran erinnert, dass ich eine attraktive, interessante Frau bin. Dass ich witzig bin und sexy und schlau und überhaupt ziemlich begehrenswert. Denn ehrlicherweise vergesse ich das ganz schön oft.

Und eins noch…

Liebe Männer, die ich nie geliebt habe: Auch, wenn aus unserem Date nichts wurde, habt ihr mich ein bisschen glücklicher gemacht. Und zwar nicht nur mit einem Selbstbewusstseins-Push, sondern vor allem mit der Erkenntnis, dass da draußen eine Menge tolle Jungs rumlaufen und auch der Topf zu meinem – zugegebenermaßen ziemlich merkwürdig geformten – Deckel irgendwann vorbeispazieren wird. Durch euch habe ich den Glauben an die Liebe nicht verloren, sondern tatsächlich erst wiederentdeckt. Und so wie ihr mich darin bestärkt habt, nach dem Partner mit dem chemischen Knall-Effekt zu suchen, will ich mit diesem Brief auch euch bestärken. Geht raus und macht alles genauso weiter, wie ihr es eben macht. Das ist keine bauchpinselnde Floskel, sondern ernst gemeint: Die Frau, die euch zu guter Letzt bekommt, kann sich wirklich glücklich schätzen. Nur bin das eben nicht ich.

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Über den Autor/die Autorin

Katrin Bauer

Katrin Bauer wurde in Hamburg geboren, wo sie Medienwissenschaften studierte, bevor es sie der Liebe wegen nach Berlin zog. Mittlerweile ist sie wieder glücklicher Single, arbeitet in einer Künstleragentur und schreibt in ihrer Freizeit über das Leben und Lieben in der Großstadt.