Geschichte des Suchenden #5 – 1. Teil

Micha ist Single und einer der Typen, die andere wohl als „Arschloch“ bezeichnen. Dabei ist er vor allem eines: Auf der Suche. Nach der Einen, nach der Richtigen. Und er nimmt uns mit auf diesen Weg – zu Dates und zu ersten Küssen, in Bars und Clubs. Und wer weiß: Vielleicht ja auch zu seinem Happy End?

Micha hat heute sein erstes Online-Date. Und macht so ziemlich alles falsch. Macht aber nichts: denn am Ende ist genau das das Richtige.

Da steht sie jetzt: Svenja. Und ich stehe da auch. Wie ein Vollidiot nämlich. Sie ist das erste Online-Date, das ich je hatte. Und ich stelle mich vermutlich ziemlich dumm an. Denn wenn ich nicht gerade stottere, starre ich sie an und denke: Warum ist mir Svenja eigentlich nicht vorher begegnet?

Ich wollte es dieses Mal richtig machen. Ich habe mir Zeit gelassen, die richtige Frau „auszusuchen“ und ihr zu schreiben. Ich habe gewartet, bis mir Svenja online über den Weg lief. Und als ich ihr Profil gesehen habe, wusste ich: die. Die möchte ich kennenlernen. Svenja ist so alt wie ich und mag die gleichen Dinge. Sie ist lustig und interessant und ich mag, wie sie schreibt. Aber vor allem mag ich ihr Lächeln. Ihr Bild hat mich umgehauen.

Manchmal ist das Falsche genau das Richtige

Wir haben uns ungefähr drei Wochen lang geschrieben und heute treffen wir uns endlich. Ich bin ein bisschen aufgeregt, denke aber auch: Na ja, ich kann ja nichts verlieren. Und dann kommt Svenja um die Ecke und das war es dann mit der entspannten Keine-Erwartungen-Haltung. Ich bin augenblicklich gar nicht mehr cool und gar nicht mehr der beherrschte, kühle Micha. Ich bin unglaublich nervös!

Wir setzen uns auf eine Bank am Fluss. Ich habe Wein mitgebracht und wir unterhalten uns, als würden wir uns schon ewig kennen. Ich versuche zu verstecken, wie aufgeregt ich bin. Aber ich schwitze und ich zittere ein bisschen und ich will sie küssen und ich will alles von ihr wissen und meine Güte, ich hätte nicht gedacht, dass das so aufregend wird.

Irgendwann stehen wir auf und gehen ein Stück. An einem Kiosk holt sie sich eine Flasche Wasser. Ich starre sie von hinten an und denke, dass ich mich hier gerade absolut zum Idioten mache. Ich rede nur Quatsch und von dem selbstsicheren Arschloch ist gar nichts übrig. Was ist bloß mit mir los?

Wir schlendern zusammen in ihre Richtung. Ich will ihre Hand nehmen, aber traue mich nicht. Von der Seite sehe ich sie an und frage mich, ob es ihr auch so geht. Und dann bleibt sie plötzlich stehen und sagt: „Den Rest kann ich alleine gehen.“ Ich bin wie erstarrt. Ich habe es also wirklich versaut. Ich nicke langsam und versuche, ein guter Verlierer zu sein. Svenja beginnt zu lächeln: „Das war wirklich ein schöner Abend, danke. Ich würde dich gerne wiedersehen. Deshalb frage ich dich nicht, ob wir noch zu mir gehen. Sondern: Wann sehen wir uns wieder?“

So viele Emotionen in so kurzer Zeit. Die Frau macht mich verrückt! Ich umarme sie und sage ihr, dass ich sie natürlich auch unbedingt wiedersehen will. Wir verabreden uns für das nächste Wochenende. Dann dreht sie sich um und geht. Geht, aber dreht sich noch einmal zu mir: „Übrigens bin ich ziemlich froh, dass du nicht so ein gleichgültiger Arsch bist wie die anderen. Ich mag, wenn du nervös bist.“ Und dann geht sie nach Hause und ich stehe da und frage mich, ob ich gerade die Frau meines Lebens kennengelernt habe.

Den 2. Teil lesen Sie beim nächsten Mal. Die anderen Teile der Geschichte des Suchenden finden Sie hier.
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