Ich bin hochsensibel. Was heißt das für die Liebe und meinen Partner?

In meiner letzten Beziehung haben mein Partner und ich acht Jahre miteinander verbracht. Es war eine intensive Beziehung und ich kann sagen, dass ich noch nie zuvor so sehr geliebt habe. Er hatte viel Verständnis für meine „Überempfindlichkeit“ (ich mag dieses Wort überhaupt nicht). Es gab aber Situationen, in denen er an mir gezweifelt hat und nur Unverständnis aufbringen konnte. Uns hat es sehr geholfen, als wir wussten, dass ich hochsensibel bin.

Wie hat die Hochsensibilität unsere Beziehung beeinflusst?

Ich bin sehr lichtempfindlich und wir mussten ad hoc Bars oder Konzerte verlassen, weil zu intensiv mit Lichteffekten gearbeitet wurde. Zudem bin ich sehr geräuschempfindlich, vor allem abends. Laute Nachbarn, am Fenster vorbei ziehendes Partyvolk – das kann ich nicht ausblenden und somit auch nicht schlafen. Und das konnte er dann auch nicht, weil ich mich darüber geärgert oder aufgeregt habe.

Volle U-Bahnen sind ein Graus für mich. Die Mischung aus Gerüchen, Lautstärke, zu viele Menschen und Stimmungen, die ich ungefiltert wahrnehme: Da musste er mich regelrecht coachen, damit wir wirklich von A nach B kommen und ich nicht einfach vorher aussteige. In einer vollen Bahn bei schwüler Hitze während eines Berlin-Besuchs bin ich ohne Ankündigung und nicht mehr Herr meiner Sinne aus der Bahn. An irgendeiner Haltestelle und ohne zu schauen, ob er mitkommt. Ich wollte da nur noch raus. Hätte ich Kinder… die hätte ich vermutlich auch stehen lassen.

Vermittle ich durch diese Aktionen, dass er mir wichtig ist und ich ihn liebe? Wohl nicht. Der Partner bekommt schnell den Eindruck, man sei „einfach zu empfindlich“ und eine Nörgel-Tante. Ich hatte Glück, er hat diese alltäglichen Situationen und meine Reizüberflutung irgendwann verstanden. Okay, in Berlin war er wirklich sauer. Im Nachhinein konnten wir drüber lachen.

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