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Ich bin hochsensibel. Was heißt das für die Liebe und meinen Partner?

Hochsensible Menschen sind täglich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, im Alltag wie in der Liebe. Und es verlangt viel Verständnis vom Partner. Ein persönlicher Erfahrungsbericht einer Betroffenen

Es hat lang gedauert, bis ich einen Namen für mein Anderssein, die Überempfindlichkeit, die Überforderung in für andere banalen Situationen gefunden habe. Ich finde oft alles zu laut, zu grell, zu schrill, zu hart und zu nervig. In den letzten Jahren haben alle Puzzleteilchen dieses Gesamtbild ergeben: Ich bin hochsensibel. Zuvor dachte ich wirklich, irgendwas sei nicht richtig bei mir. Reize, oder Kleinigkeiten, die andere nicht oder nur am Rande wahrnehmen, sind für mich mitunter unerträglich. Wirklich, es gibt Dinge, die halte ich nicht aus! Hochsensible Menschen haben eine sehr niedrige Reizschwelle, da uns der Filter fehlt, störende Reize auszublenden oder weniger intensiv wahrzunehmen. Ob eine zu laut telefonierende Kollegin oder das Geklapper von Jalousien am geöffneten Fenster.

Das Zusammenleben mit einem Partner ist dadurch enorm erschwert. Der Partner bekommt die Überreizung mit – und muss sie leider mit aushalten. Mich in diesen Situationen aushalten. Und mich trotzdem lieben und respektieren. Sich nicht kritisiert fühlen. Und das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört.

In meiner letzten Beziehung haben mein Partner und ich acht Jahre miteinander verbracht. Es war eine intensive Beziehung und ich kann sagen, dass ich noch nie zuvor so sehr geliebt habe. Er hatte viel Verständnis für meine „Überempfindlichkeit“ (ich mag dieses Wort überhaupt nicht). Es gab aber Situationen, in denen er an mir gezweifelt hat und nur Unverständnis aufbringen konnte. Uns hat es sehr geholfen, als wir wussten, dass ich hochsensibel bin.

Wie hat die Hochsensibilität unsere Beziehung beeinflusst?

Ich bin sehr lichtempfindlich und wir mussten ad hoc Bars oder Konzerte verlassen, weil zu intensiv mit Lichteffekten gearbeitet wurde. Zudem bin ich sehr geräuschempfindlich, vor allem abends. Laute Nachbarn, am Fenster vorbei ziehendes Partyvolk – das kann ich nicht ausblenden und somit auch nicht schlafen. Und das konnte er dann auch nicht, weil ich mich darüber geärgert oder aufgeregt habe.

Volle U-Bahnen sind ein Graus für mich. Die Mischung aus Gerüchen, Lautstärke, zu viele Menschen und Stimmungen, die ich ungefiltert wahrnehme: Da musste er mich regelrecht coachen, damit wir wirklich von A nach B kommen und ich nicht einfach vorher aussteige. In einer vollen Bahn bei schwüler Hitze während eines Berlin-Besuchs bin ich ohne Ankündigung und nicht mehr Herr meiner Sinne aus der Bahn. An irgendeiner Haltestelle und ohne zu schauen, ob er mitkommt. Ich wollte da nur noch raus. Hätte ich Kinder… die hätte ich vermutlich auch stehen lassen.

Vermittle ich durch diese Aktionen, dass er mir wichtig ist und ich ihn liebe? Wohl nicht. Der Partner bekommt schnell den Eindruck, man sei „einfach zu empfindlich“ und eine Nörgel-Tante. Ich hatte Glück, er hat diese alltäglichen Situationen und meine Reizüberflutung irgendwann verstanden. Okay, in Berlin war er wirklich sauer. Im Nachhinein konnten wir drüber lachen.

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Über den Autor/die Autorin

Tina

Tina ist 35 und lebt in Norddeutschland. Da ihre langjährige Beziehung vor kurzem gescheitert ist (das hatte andere Gründe als die Hochsensibilität), ist sie kinderloser Single und entdeckt das Leben als solcher gerade für sich.