Borderline-Beziehung: 18 Tipps zum Umgang mit Borderlinern

Menschen mit Borderline („Borderline-Persönlichkeitsstörung“) haben Schwierigkeiten damit, stabile Beziehungen aufzubauen und zu erhalten. Ihre Partner fühlen sich meist schnell überfordert. Kann eine Beziehung mit einem „Borderliner“ trotzdem gelingen?

Schwanken und Instabilität als zwei Kernmerkmale

Borderline kennzeichnet also ein ständiges Schwanken. Stabilität (emotional, zwischenmenschlich, selbstwert- und identitätsbezogen) fehlt beziehungsweise muss unter großen Anstrengungen erkämpft werden. Das Leben gleicht einer Achterbahnfahrt ohne gerade Streckenabschnitte – und der Partner wird dazu aufgefordert, mitzufahren. Auf Feuer folgt Eis, auf Himmel Hölle, auf gleißendes Weiß tiefes Pechschwarz. Ein Aspekt dieser Krankheit ist, dass sie hauptsächlich jene Menschen bemerken und von ihr mittelbar betroffen werden, die in einer vertieften Beziehung mit einer bzw. einem „Borderliner(in)“ stehen.

Das kann etwa der Partner sein, Familienangehörige, enge Freunde, aber auch Arbeitskollegen, Klinikpersonal, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter usw. Es ist – mit Ausnahme eventueller Anzeichen von selbstverletzendem oder Hochrisiko-Verhalten (z.B. ungeschützter Geschlechtsverkehr mit Fremden) – keine Krankheit, die für Außenstehende „offensichtlich“ ist.

Die Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung gemäß WHO

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei „Borderline“ um die von der WHO so bezeichnete „emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs“ (kurz: BPS). Diese wird gemäß der WHO u.a. durch folgende Merkmale charakterisiert:

  • emotionale Instabilität
  • mangelnde Impulskontrolle
  • Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen
  • ein chronisches Gefühl von Leere
  • intensive, aber unbeständige Beziehungen
  • eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen (vgl. ICD-10, F60.31)

In fast allen Fällen geht eine Borderline-Persönlichkeitsstörung mit weiteren Krankheiten einher. Hierzu zählen insbesondere affektive Störungen (vor allem Depressionen), andere Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen, Substanzstörungen (z.B. Alkoholabhängigkeit), aber auch Schlaf- und Essstörungen, ADHS, neben weiteren. Aufgrund verbreiteter Suizidalität und selbstverletzendem Verhalten ist bei Vorliegen einer BPS eine Therapie unbedingt angeraten.

Einige wissenschaftliche Fakten zur Borderline-Persönlichkeitsstörung

Eine US-amerikanische Studie schätzte die Lebenszeitprävalenz, d.h. den Prozentsatz der Krankheitsfälle über die gesamte Lebensspanne in einer definierten Gruppe, auf 5,9% (Grant et al., 2008). Eine ältere Studie, ebenfalls aus den USA, geht hingegen mit 1,8% von einer niedrigeren Krankheitshäufigkeit aus (Swartz, Blazer, George, & Winfield, 1990).

Es wird überwiegend angenommen, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung etwas häufiger unter Frauen verbreitet ist (ca. 70%; vgl. Lieb et al., 2004), auch wenn es Stimmen gibt, die von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis ausgehen. Zahlreiche Faktoren wurden als (mit-)ursächlich für die BPS diskutiert. Bis zum heutigen Tag konnte trotz der Annahme einer erheblichen genetischen Komponente kein bestimmtes „Borderline-Gen“ identifiziert werden.

Von der enormen Bedeutung widriger Umwelteinflüsse – insbesondere familiärer Natur – und traumatischer Erfahrungen in Kindheit und Adoleszenz für die Entwicklung einer BPS ist auszugehen. Aus Gründen des Umfangs sei an dieser Stelle auf ausführlichere Darstellungen in der angegebenen Literatur für Angehörige am Ende dieses Artikels verwiesen.

Borderline und Beziehung: Partner fühlen sich oft schnell überfordert

Borderline stellt (fast) jede Partnerschaft vor enorme Herausforderungen. Partner von Betroffenen fühlen sich häufig nach vergleichsweise kurzer Zeit überfordert, ohnmächtig, ausgelaugt und völlig am Ende mit ihren Kräften. Oft schlägt die anfängliche Liebe in Hass um, wird aus leidenschaftlicher Zugewandtheit leidenschaftliche Gegenwehr. Es hagelt Vorwürfe, mitunter kommt es zu heftigem Streit.

Man unterstellt dem Anderen Manipulation, emotionale Erpressung, fehlendes Bemühen, hinterhältiges, egoistisches Verhalten. In extremen Fällen, man liest es leider häufig im Internet, wird der Ex-Partner oder die Ex-Partnerin im Nachhinein als „Monster“ oder „völlig gestörter Psycho“ gebrandmarkt (Stigmatisierung). Die Beziehung war intensiv, und das Ende ebenfalls.

Dimensionalität des Krankheitsbilds Borderline

Auch wenn es Gegenbeispiele gibt, so sind derartige Vorkommnisse bei Borderline-Beziehungen leider keine Seltenheit. Von ihrer meist relativ kurzen Dauer war weiter oben bereits die Rede. Doch natürlich hängt sehr viel davon ab, was für zwei Charaktere und Menschen sich da als Paar zusammengetan haben. Nicht jeder Partner neigt zu heftigen (Gegen-)Reaktionen wie Weißglut oder eigenen emotionalen Ausbrüchen, etwa weil er selber emotional instabil ist. Und nicht jeder „Borderliner“ zeigt ein Vollbild der Krankheit, das gilt natürlich insbesondere für Menschen, die im Rahmen einer stationären oder ambulanten Therapie bereits viele Schritte gewagt und getan haben.

Denn: Wenngleich Borderline als eine starre, diagnostische Kategorie daherkommt, gibt es hier – wie bei jeder anderen Krankheit auch – viele Abstufungen, Facetten und individuelle Persönlichkeits-Profile. Und: Diagnosen fokussieren Probleme, aber kein Leben besteht nur aus Problemen.

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