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Borderline und Beziehung: Was Partner wissen sollten

Menschen mit Borderline haben nicht zuletzt Schwierigkeiten damit, stabile Beziehungen aufzubauen und zu erhalten. Ihre Partner fühlen sich meist schnell überfordert. Kann eine Beziehung mit einem „Borderliner“ trotzdem gelingen? Wir geben einen Überblick über das Krankheitsbild, zeigen mögliche Herausforderungen für eine Partnerschaft auf und nennen hilfreiche Verhaltensweisen

Borderline: ein Begriff, der für Verwirrung sorgt. Viele haben bereits davon gehört, die wenigstens können sich konkret etwas darunter vorstellen. Und es kursieren viele Vorurteile. Borderline: eine Diagnose, die Betroffene abstempelt und ihren Partnern häufig Angst macht. Gemeint ist mit „Borderline“ die von der Weltgesundheitsorganisation (= WHO) so bezeichnete „emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs“. Vorweg sei betont, dass trotz gemeinsamer Merkmale kein Mensch, der unter dieser Krankheit leidet, exakt einem anderen betroffenen Menschen gleicht. Auch wenn es sich bei Borderline um eine tiefgreifende Störung nicht zuletzt der zwischenmenschlichen Beziehungsgestaltung handelt („Interaktionsstörung“), lassen sich nicht alle „Borderliner“ über einen Kamm scheren und sollte nicht übersehen werden, dass in jedem Menschen eine Fülle von Stärken schlummert, auch in den schwersten Krankheitsphasen und Krisen.

Borderline: Versuch einer Annäherung

Borderline geht mit einem oft plötzlichen Wechsel zwischen Extremen einher, zwischen emotionalen Hochs und Tiefs, intensiv erlebten Gefühlen („Gefühlsüberflutung“) und totaler innerer Leere, zwischen Hass und Liebe, Idealisierung des Partners und heftiger Ab- und Entwertung. Wenn es für Gefühle Bonuspunkte gäbe, besäße jeder „Borderliner“ quasi eine BahnCard 100. Die Angst vor dem Verlassenwerden ist übergroß, das Gefühl der Einsamkeit kann kaum ertragen werden. Überhaupt fällt „Borderlinern“ die Regulation ihrer Gefühle extrem schwer oder sie gelingt gar nicht. Eine Betroffene fasst dies so zusammen: „Man könnte sagen: Bordis [Menschen mit Borderline] haben soviel Power wie ein Sportwagen, aber Bremsen wie ein Polo. Kein Wunder, dass man da manchmal aus der Kurve fliegt.“ (Hofer, 2016).

„Borderliner“ treibt es meist in sehr, sehr, sehr intensiv geführte, emotional sehr, sehr, sehr aufgeladene Beziehungen, die schnell vieles sind, nur nicht langweilig und leise. Aber auch die scheinbar gewonnene zwischenmenschliche Nähe macht Angst, wird nicht ertragen. Nähe und Distanz können nicht richtig ausbalanciert werden. So kommt es schnell zu bisweilen heftigen Konflikten und Gefühlsexplosionen, insbesondere dann, wenn die Gefühle auf den Partner überschwappen und dieser mit ins Emotionskarussell einsteigt. In extremen Fällen sprechen Experten bei Borderline von „zerstörerischen Beziehungen“. In vielen Fällen kommt es schon bald zu Zerwürfnissen und Trennungen. Überspitzt gesagt: „Borderliner“ zerstören ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, ohne die sie nicht leben können.

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Über den Autor/die Autorin

André Martens

André Martens ist Philosoph und Psychologe. Er schreibt leidenschaftlich gern - nicht zuletzt über die Liebe. Ob wir uns diesem Phänomen mit Worten tatsächlich annähern können, ist seine große Lebensfrage. Und solange er die Antwort nicht kennt, schreibt er fleißig weiter.