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In die Leere lieben: Wie es ist, einen depressiven Partner zu haben

Will er sich trennen? Ihr Mann isst kaum mehr, wirkt abwesend und hat keine Lust auf Sex. Die Geschichte einer Ehe, die auf eine harte Probe gestellt wurde. Aufgeschrieben von beziehungsweise-Autorin und Liebesforscherin Birgit Ehrenberg

Frank ist ein Kerl wie ein Baum. 1,94 cm groß, muskulös, blitzende Augen, Augen, die immer in Kontakt mit dem Gegenüber sind, wache Augen. Frank hat eine tiefe Stimme und ein lautes Lachen. Er ist ein unübersehbarer Mann, einer, der einen Raum und das Leben füllt, der das Herz füllt. Einer zum Anlehnen, einer, der einen packt und mitzieht, einer mit einem unbändigen Appetit auf Sex, einer, der auch sonst viel Appetit hat, der gern isst und trinkt.

Frank ist die Inkarnation von Vitalität. Deshalb hat sich Caroline in Frank verliebt, deshalb hat sie ihn geheiratet. Doch der Frank, den sie liebt, den sie sich ausgesucht hat, verschwindet seit Monaten jeden Tag ein wenig mehr. Er zieht sich in sich selbst zurück, ist nicht mehr als Frank zu erkennen. Und auch seine Liebe ist nicht mehr zu erkennen. Frank leidet seit einiger Zeit unter schweren Depressionen.

Caroline denkt zunächst an eine physische Krankheit

„Ich habe vor vielen Jahren einen Film gesehen, der hieß „Angst essen Seele auf“, ein grusliger Titel. Er kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich über meine Beziehung mit Frank nachdenke, wenn ich fassungslos davorstehe, was im Verlauf seiner Krankheit aus unserer Liebe geworden ist“, sagt Caroline bitter. „Die Depression verschlingt die Liebe. Das ist für mich die aussagekräftigste Definition dieser Krankheit. Sie ist wie der Tod der Liebe, sie schluckt sie.“

Angefangen hat alles damit, dass Frank sich immer weniger für Essen interessiert hat. Normalerweise hat er mit Caroline schon am Frühstückstisch überlegt, was die beiden abends kochen oder ob sie essen gehen und wohin. Diese Begeisterung trat in den Hintergrund, sie verschwand allmählich. Caroline musste ihm die Nahrungsaufnahme regelrecht aufdrängen. Und auch wenn das Paar dann gemeinsam gegessen hat, musste Frank sich überwinden, seinen Teller leer zu essen, später hat er die Mahlzeiten kaum noch angerührt.

„Ich dachte, er hat was am Magen“ erzählt Caroline. „Ich habe Frank bedrängt, zum Arzt zu gehen, sich gründlich untersuchen zu lassen. Ich bin davon ausgegangen, dass das etwas Körperliches ist. Heute, wo ich weiß, dass er Depressionen hat, finde ich es verrückt, dass die Krankheit, die seine Seele und unsere Liebe aufzufressen drohte, ihm den Appetit verschlagen hat. Obwohl ich erst dachte, Frank hat vielleicht eine Gastritis oder dergleichen, habe ich Frank natürlich gefragt, ob im Job alles okay sei. Manchmal schlagen einem Sorgen ja auch auf den Magen. Aber Frank hat das verneint. Es sei alles gut im Büro, hat er gesagt. Mehr nicht. Das hätte mich schon stutzig machen sollen, dass er so wortkarg war, denn Frank liebt seine Arbeit, er ist Biologe, er arbeitet an der Uni, er forscht. Und er liebt es, über seine Arbeit zu reden.“

Immerhin, Frank geht zu seinem Hausarzt, er lässt sich gründlich durchchecken, organisch ist er völlig gesund, der Arzt bescheinigt ihm eine nahezu „viehische Gesundheit“. Er fragt Frank, was dieser glaubt, warum er keinen Appetit mehr hat. Er sagt, er habe viele Patienten, die mit physischen Symptomen zu ihm kommen, und in Wahrheit aber seelisch leiden. Er kennt Frank, er sieht, dass er sich verändert hat, stiller ist, verzagt, erschöpft. Frank weist das von sich, dass etwas mit seiner Psyche nicht stimmen könnte. „Das wird alles wieder“, sagt er und versucht, fröhlich zu wirken. „Der Winter ist lang, ich habe im Winter öfters mal miese Laune, ich bin ein Sonnenmensch, ich brauche Licht und Wärme. Im Frühling sieht die Welt, sieht mein Leben schon wieder anders aus. Ich werde wieder gern essen, verlassen Sie sich darauf. Man muss da kein großes Thema draus machen, viele Dinge erledigen sich einfach von allein.“

Der sexuelle Appetit verschwindet

Franks Veränderung nicht, im Gegenteil. Caroline kann zusehen, wie seine vitalen Funktionen abnehmen. Nach dem Verlust des Appetits kommt der Verlust der Libido, danach der Verlust des Schlafs. Frank liegt Nacht für Nacht wach neben Caroline, starrt an die Decke. Er versucht es mit Baldrian, mit warmer Milch mit Honig, Schäfchen zählen, nichts hilft. „Richtige“ Schlaftabletten will er nicht nehmen.

Caroline erzählt: „Ich konnte gar nicht fassen, dass Frank keine Lust hat, mit mir zu schlafen. Ich habe das sofort als gegen mich gewendet empfunden, ich dachte, er begehrt mich nicht mehr. Zu dem Zeitpunkt habe ich in keiner Weise daran gedacht, dass Frank unter Depressionen leiden könnte. Nichts war mir ferner, Frank doch nicht, dieser starke und fröhliche Mensch. Ich dachte nicht an eine Krise in seiner Psyche, sondern an eine in unserer Beziehung. Ich habe Frank immer wieder in Gespräche über uns verwickelt, ihn angefleht, mir zu sagen, was ihm fehlt. Früher konnte er nicht genug kriegen von mir. Sex war eines seiner Lebenselixiere. Und ich das dauerhafte Objekt seiner Begierde, wir sind 12 Jahre zusammen, und wir haben noch drei bis vier Mal in der Woche zusammen geschlafen. Wir haben keine Kinder, unsere ganze Zeit gehörte uns. Wir haben uns immer viel Zeit genommen für Erotik, nicht nur nachts. Und nun rührte mich Frank nicht mehr an.

Erkenntnis: Frank will sich nicht trennen, er ist depressiv

Meine Versuche, mit Frank zu reden, scheiterten. Ob ich liebevoll war oder ob ich ihn anschrie, er war teilnahmslos. Nichts erreichte ihn. Er sagte kein Wort, er sah mich nicht mehr an, auch seine Augen schwiegen. Ich ging davon aus, dass Frank sich von mir trennen will.“

Dabei trennte sich Frank sozusagen von sich selbst. Die letzte Stufe der Schattenwerdung von Frank war, dass er keine Kraft mehr hatte, in der Arbeit Einsatz zu zeigen, er blieb immer öfter morgens im Bett liegen, Caroline ruft dann in der Uni an, um ihn zu entschuldigen, täuscht eine Krankheit vor. In dieser Phase wurde ihr klar, dass Frank nicht an ihr leidet, sondern dass er ernsthaft seelisch erkrankt ist.

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Über den Autor/die Autorin

Birgit Ehrenberg, geboren 1962, ist Journalistin und studierte Philosophin. Sie begleitet und unterstützt Menschen mit ihrer Expertise in existenziellen Fragen zur Liebe und ist seit vielen Jahren erfolgreiche Autorin zum Thema. Auf beziehungsweise führt die Liebesforscherin mit Paarberater Eric Hegmann regelmäßig Gespräche über das Wesen der Liebe.