Werbung

Wie liebt es sich als depressiver Mensch?

Gefühllosigkeit. Hoffnungslosigkeit. Antriebslosigkeit. Die Liste der -losigkeiten, von denen eine depressive Episode gekennzeichnet ist, scheint unendlich. Kann ein Mensch, der keine Lebensfreude mehr verspürt, überhaupt lieben? Jana Seelig berichtet von ihren eigenen Erfahrungen in Sachen Depression und Liebe

Es wurden schon viele Artikel darüber geschrieben, wie man jemanden trotz seiner Depression lieben kann. Geschrieben für die Partner von depressiven Menschen, die nicht so genau wissen, was sie tun sollen oder können, wenn ihr Liebster oder ihre Liebste eine Episode hat. Geschrieben für Menschen, die einen kleinen Teil des Leids, das so eine Erkrankung mit sich bringt, mit auf sich nehmen, wenn ihr Partner depressiv ist. Über Depressionen wird endlich offen gesprochen, und das ist gut, denn gerade bei psychischen Erkrankungen ist es wichtig, dass man diese in einer Partnerschaft thematisiert.

Eine Depression ist eine Krankheit, die Auswirkungen auf das gesamte Leben hat. Eine, die man nicht so schnell mit ein paar Tabletten behandeln oder operativ entfernen lassen kann. Sie verläuft in Episoden, die mal stärker und mal schwächer sind und gekennzeichnet von einem Gefühl der Leere, des absoluten Nichts. Eine Depression bringt meist auch Wut mit sich – Wut auf sich selbst, auf die eigenen Unzulänglichkeiten. Frust, der irgendwo hin muss und deshalb manchmal auf dem Partner ausgetragen wird, obwohl dieser genauso wenig für das Leid kann wie man selbst. Depressive Menschen sind jedoch nicht grundsätzlich lieblos. Im Gegenteil. Den meisten von uns fehlt zwar manchmal Liebe zu uns selbst, doch für andere ist sie selbst zu unseren schlechtesten Zeiten da. Man muss eben nur besser hinsehen.

Seite 1 2
Verwandte Themen:

Über den Autor/die Autorin

Jana Seelig

Jana Seelig ist jung und schön, sie hat einen großen Freundeskreis, sie liebt ihren Beruf – und sie hat Depressionen. Es gibt Tage, an denen geht gar nichts. Dann muss sie sich oft gut gemeinte Ratschläge anhören, die zeigen, wie wenig ihr Umfeld eigentlich versteht, wie es ist, wenn man nichts mehr fühlt.