Sag mal… Bist du schwanger?

Viele Frauen ab einem gewissen Alter müssen sich mit unangemessenen Fragen nach einer Schwangerschaft oder dem Kinderwunsch auseinandersetzen. Doch Familienplanung darf einfach kein Small-Talk Thema sein, findet unsere Autorin Jana.

Ich bin ein wissbegieriger Mensch. Ich kann mich wirklich für alle möglichen Themen begeistern, in Details vergraben, Sachen ganz genau auf den Grund gehen. Man könnte auch sagen, ich bin neugierig. Ist doch auch keine schlechte Eigenschaft, oder? Aber: Ich bin der festen Überzeugung, dass Neugier seine Grenzen haben sollte. Und dass es Fragen gibt, die man anderen Menschen einfach nicht stellt. Davon gibt es ein paar. Zum Beispiel die Klassiker “Du bist doch so sympathisch – warum bist du eigentlich Single?” oder “Wollen du und dein Freund nicht mal langsam heiraten?”. In Deutschland zählt wohl kurioserweise auch die Frage nach der Höhe des Gehalts dazu. Aber das ist noch mal ein ganz anderes Thema. Auf Platz 1 der Fragen, die sich nicht gehören, steht jedoch klar meiner Ansicht nach und unangefochten: “Bist du schwanger?”

Ich bin aktuell selbst im 6. Monat und habe das Glück, dass mir die Frage tatsächlich bisher nicht gestellt wurde – vor allem nicht vor der magischen Zwölf-Wochen-Grenze. Corona sei Dank, könnte man sagen, man kommt ja aktuell einfach nicht so viel unter (fremde) Leute, dass man ständig mit neugierig fragenden Menschen konfrontiert wäre. Aber wenn es passiert wäre, hätte ich vermutlich nicht die Antwort gegeben, die sich der:die Fragende vorgestellt hat. 

Die Frage ist doch sicher nur nett gemeint… 

Ich sag mal so: Wenn man nach einer Schwangerschaft gefragt wird, während man im 9. Monat schwer atmend irgendwo die Treppe hochkeucht – klar. Das ist ja irgendwie witzig. Aber nein, mir geht es eher um neugierige Schnüffel-Fragen, die wohl die meisten von uns kennen. Zum Beispiel, wenn man, um die 30 Jahre alt und schon länger in einer festen Beziehung, auf der Party oder Familienfeier keinen Alkohol trinken möchte (ohne fahren zu müssen). Oder das enge Kleid am Bauch vielleicht etwas unvorteilhaft sitzt. Gehört sich dann diese Frage vor versammelter Mannschaft? Ich sage: Nein, auf gar keinen Fall.

Aber ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich finde, die Frage gehört sich auch in kleiner Runde oder völlig privat unter zweien nicht unbedingt. Einfach aus dem schlichten Grund, weil damit nicht nur eine potenzielle Schwangerschaft ergründet wird. Sondern gleich eine ganze Batterie weiterer Themen, die man vermutlich mit nur äußerst wenigen Leuten besprechen möchte. Und die die meisten Menschen entsprechend nicht zu interessieren haben.  

Sorry, meine Lebensplanung geht euch nichts an! 

In einem “Bist du schwanger?” schwingen eine Million weitere Fragen mit – ich schwöre, mit einem simplen “Nein” wäre man das Thema doch nicht los. Denn dann geht es direkt weite r. Ob man generell Kinder will oder nicht – und da ist ja ein “ob man Kinder bekommen kann oder nicht” auch nicht weit. Auch, ob vielleicht gerade eine Fehlgeburt hatte, in einer Kinderwunschbehandlung ist oder sonst gesundheitlich ein Thema hat, geht viele Leute einfach nichts an. Als nächstes kommt dann die Frage nach Kind und Karriere, ob und wie viel arbeiten (hier gibt’s ja grundsätzlich nur falsche Antworten 😉)… Und und und.  

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