Mein Regenbogenbaby

Unsere anonyme beziehungsweise-Leserin teilt mit uns ihr schlimmstes Erlebnis. Und wie sie dennoch Stärke fand. Wir hoffen, diese Geschichte kann anderen Frauen ebenfalls Hoffnung schenken.

„Es tut mir so leid, aber ich sehe keinen Herzschlag mehr.“  

Die Stille danach habe ich empfunden, wie man sich die Stille nach einer Explosion vorstellt. Man hört nichts mehr, außer vielleicht ein Piepen im Ohr. Es war geschehen, wovor ich riesige Angst hatte, was aber gar nicht so selten ist, denn jede vierte Schwangerschaft wird eine Fehlgeburt.  

Ich erinnere mich an nichts von dem, was danach gesagt wurde – bis das Wort „Ausschabung“ fiel. Schon der Begriff klingt gruselig, fand ich. Aber ob man dafür einen weniger gruseligen Begriff finden könnte? Ich habe mich zusammengerissen und nicht geweint. Wie ferngesteuert habe ich „Okay, danke“ gesagt und mich auf den Weg ins Krankenhaus gemacht, in das mich die Ärztin zur Vorbesprechung geschickt hat.  

Vor zwei Wochen hatte das Herz noch geschlagen.

Im Auto erst kam der Zusammenbruch. Ich habe geweint um den kleinen Fleck auf dem Ultraschall, der zwei Wochen vorher noch ein schlagendes Herz hatte. Geweint um das Baby, das ich nun nicht haben würde. Auch zuhause angekommen, lag ich den ganzen Abend im Arm meines Freundes und habe getrauert, um das Kind, das wir uns seit über einem Jahr wünschen.  

Am nächsten Tag musste ich zurück ins Krankenhaus und erstmal vier oder fünf Stunden warten und von A nach B laufen. Die ganze Zeit habe ich die übriggebliebene Trauer und Angst vor dem Eingriff mit mir herumgetragen. Richtig schlimm war es dann, als ich mich umziehen und mein Freund gehen musste. Kurz davor bekam ich die Info, dass er aufgrund der Corona-Vorschriften auch beim Aufwachen nicht bei mir sein dürfte.  

Wegen Corona konnte mein Freund nicht dabei sein 

In dem Krankenhausbett lag ich mit angezogenen Beinen und fühlte mich klein und allein, solange bis ich vor lauter Erschöpfung eingeschlafen bin. Als man mich weckte, weil es losging, war in mir nur noch Platz für Angst. Auf diesem komischen Stuhl liegend starrte ich ins kalte Neonlicht und zitterte am ganzen Körper.  

Während der Krankenpfleger meinen Zugang legte, passierte für mich in diesem Moment etwas ganz Wunderbares. Die Anästhesistin bemerkte meine Tränen und begann mir von ihrer Fehlgeburt zu erzählen. Sie sagte mir, dass man ihr damals von Regenbogenbabys erzählte, die zu einem zurückkommen.  

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