Die Beziehung entrümpeln

Beziehung entrümpeln nach dem Prinzip von Marie Kondo? Sicherlich keine schlechte Idee. Unsere Autorin Christiane Spooren gibt persönliche Einblicke, warum es in ihrem Alltag leichter gesagt als getan ist

Missmutig klicke ich den Artikel „Macht das glücklich oder kann das weg?“ von Anna Zimt weg. Marie Kondo für deine Beziehung. Deine Beziehung entrümpeln. Ein spannender Ansatz. Und sicherlich hat sie damit recht. Doch eins kann ich sagen: Den Schuhschrank zu entrümpeln ist deutlich einfacher.

Ein ganz normaler Tag beginnt.

Das Handy meines Mannes vibriert. Es muss jetzt 5:30 Uhr sein. Er versucht, sich anzukuscheln, aber ich ziehe die Decke über meine Ohren. Lass mich. Ich habe nur noch eine Stunde, bis der Kleine wach wird. Mein Mann steht auf, geht ins Badezimmer, schnäuzt sich die Nase. Warum muss er dabei so laut sein? Törööööö. Wenn jetzt das Kind davon aufwacht, dreh ich durch. Schnaubend schlummere ich wieder ein, doch als ich gerade richtig einschlafe, kräht ein spitzer Schrei durchs Babyfon. Na sauber!

Zwölf Stunden später…

… kehrt mein Mann von der Arbeit heim. Er schnattert fröhlich über seinen Tag, während ich das Baby füttere und versuche, möglichst viel Brei IN seinen Mund zu befördern statt daneben, auf den Boden oder über meine Hose. Parallel schnüffelt mein Trüffelschwein-Hund um den Hochstuhl herum, bekommt aber mehr über seinen Kopf geschüttet als er auf dem Boden findet. „Du hörst mir gar nicht zu“, sagt mein Mann. Ich hebe den Blick: „Hm?“„Ich sagte, ich bin bis nächsten Mittwoch im Homeoffice. Dachte, das freut dich! Aber deine Begeisterung hält sich ja in Grenzen.“ Ich runzle die Stirn. Freut es mich? Doch schon. Wobei. Ändert auch nichts an meinem Alltag. Ich kann vielleicht etwas länger schlafen. Also doch: Es freut mich! „Schön, Schatz“, sage ich abschließend.

Nur kurz ausruhen

Das Kind will nicht einschlafen. Es plärrt hysterisch, sobald ich die Tür hinter mir schließe. Nach einer Stunde Singen, Schunkeln, Streicheln, Kuscheln, Wippen, Schhhh. Es plärrt. Ich möchte meinen Mann schicken, lasse es aber bleiben, weil es ohnehin nichts bringen würde. Der Papa wirkt nämlich nur als Verstärker auf den kindlichen Schreipegel. Es MUSS die Mama sein. Ich lasse mich für einen Augenblick an der Zimmertür hinabsinken und lege meinen Kopf auf die Knie. Nur kurz. Nur kurz ausruhen. Gleich ist die Mama wieder da.

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