Toxischer Wettbewerb: Wie Filme und Serien Liebesdreiecke instrumentalisieren  

Eine gute Geschichte lebt von reichlich Liebesdrama. Zwei Protagonist:innen verlieben sich ineinander, kommen über Umwege zusammen, bewältigen Abenteuer, dramatische Krisen und am Ende wartet das Happy End. Doch was, wenn aus zwei plötzlich drei werden? Es folgen Eifersucht, Konkurrenz und am Ende der große Liebesbeweis. Wie Liebesdreiecke in Filmen und Serien funktionieren, und warum sie so gefährlich sind

Wir sehen eine Figur, die sich von einer unsichtbaren Macht fremdbestimmen lässt und dabei still abwartet, was die Männer noch anstellen, um sie zu überzeugen. Hier wird zum wiederholten Male das Bild der heterosexuellen Frau reproduziert, die sich erobern und dabei alles mögliche über sich ergehen lassen soll. Von Stalking, Gaslighting, emotionaler Erpressung bis hin zum Zwang, sich überhaupt für einen Mann zu entscheiden. Am besten so schnell wie möglich.  

Toxische Liebesdreiecke: Ein aussterbender Plot 

Die Erzählung des toxischen Liebeswettbewerbs reproduziert viele Muster, die weder feministisch, noch besonders diplomatisch, geschweige denn zeitgemäß sind. Die Darstellung der wahren Liebe in Abgrenzung zur falschen Liebe ist zwar anschaulich und unterhaltsam, aber oft zu kurz gedacht und vorhersehbar. Paaren wird beigebracht, wie sie einander am effektivsten ihre Liebe beweisen: Durch die Ausgrenzung von anderen. Je dramatischer der Bruch, desto besser. Wer an der absoluten und einzigartigen Liebe zweifelt, oder gar ähnliche Gefühle gegenüber einem anderen Menschen äußert, kann keine echten Gefühle haben. Und der einfachste Weg, die Intensität der absoluten Liebe zu beweisen, ist die Abwertung einer anderen Liebe. Diese Dynamik folgt einer strengen Schwarz-Weiß-Logik. Sie lässt kaum Raum für alles andere, was im Kosmos Liebe und Partnerschaft vor sich geht.  

Doch wir Zuschauer:innen sind hungrig nach Bildern, mit denen wir uns identifizieren. Bilder, die uns überraschen und die uns zum Nachdenken bringen. Besonders bei Liebesgeschichten sehnen wir uns nach Zwischentönen, Geheimnissen, offenen Fragen und einer Zukunft, in der alles möglich ist. Und deswegen werden toxische Liebesdreiecke in Filmen und Serien langfristig aussterben. In einer Zeit, in der Monogamie nicht mehr die einzige Option ist, werden sich stattdessen neue, spannende Liebesgeschichten in Filmen und Serien finden. Und vielleicht werden wir, statt toxischen Liebesdreiecken, immer mehr gesunde und in sich stabile Beziehungen, facettenreiche Freundschaften und Liebe ohne Druck oder Wettbewerb sehen. Wobei niemand verliert und alle gewinnen. Ob eine polyamore Beziehung zwischen Bella, Edward und Jacob gut beim Publikum ankommen würde, bleibt jedoch weiterhin offen.  


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