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Warum „sich rarmachen“ ein riskantes Spiel ist

Schon oft musste sich beziehungsweise-Autor Jonathan Bern darüber wundern, warum sich seine Online-Bekanntschaften nicht mehr bei ihm meldeten. Er ist diese Hinhaltetaktiken leid und wünscht sich mehr Offenheit und Verbindlichkeit bei den Frauen

In Zeiten von Tinder & Co. scheint die oberste Devise „catch me if you can“ zu sein. Ich gebe zu, dass ich die App seit einem Jahr wieder aktiv nutze. Warum sollte ich mir eine Chance entgehen lassen, mein unfreiwilliges Single-Dasein hoffentlich bald zu beenden. Der anfänglichen Begeisterung folgte irgendwann eine große Ernüchterung. Dennoch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, die attraktive Nadel im Heuhaufen der Instragam-Junkies zu finden. Es gab auch einige Begegnungen mit interessanten Frauen.

Ein wichtiges Zeichen des Vertrauens

Ich liebe es zu verführen und lasse mich auch gerne verführen. Es geht darum, eine gewisse Spannung beim ersten Kontakt zu erzeugen. Bei einem „Match“ finde ich wichtig, einiges über den Menschen zu erfahren. Ich gebe mir Mühe, mich in meinem Profiltext so zu beschreiben, dass ich die Neugier der Leserin wecke. Es macht die Kommunikation nicht einfacher, wenn – abgesehen vom obligatorischen „no ONS“ – keine Informationen vorhanden sind. Hauptsache der coolste Filter lässt sie so sexy wie jede hirnlose Influencerin erscheinen. Gegen ein gewisses Selfmarketing ist nichts einzuwenden. Ich versuche, auch mein Erscheinungsbild ein wenig zu optimieren, aber ohne zu übertreiben. Ansonsten wäre die Enttäuschung beim ersten Date als „Moment of Truth“ vorprogrammiert.

Schreiben liegt mir mehr als telefonieren. Deshalb frage ich relativ schnell nach der Handynummer, um mich via Messenger zu melden. Wenn mein „Herzblatt“ damit einverstanden ist, gilt es für mich als wichtiges Zeichen des Vertrauens. Ich finde es schön, morgens kurz „Hallo“ zu sagen oder abends auch mal süße Träume zu wünschen. Vielleicht empfinden es einige als zu kitschig und eventuell nutze ich ab und zu die falschen Emojis. Oft lassen mich sehr spärliche Antworten ratlos zurück, so dass ich meine anfängliche Spontanität bremsen muss. Danach stellt sich für mich immer die Frage: Kann sich daraus etwas entwickeln? Dies herauszufinden empfinde ich stets als große Herausforderung.

Ich hatte sicher etwas falsch gemacht

Rückwirkend ist mir bewusst geworden, dass meine Interpretation einer zeitversetzten Antwort viel von meiner seelischen Verfassung abhängig war. Ging es mir privat und beruflich zu dem Zeitpunkt in meinem Leben gut, reagierte ich entspannt und geduldig. Ich sagte mir, dass diese Person gerade wenig Zeit hatte, oder andere Prioritäten setzte. Sie würde sich einfach wieder melden, wenn der passende Moment vorhanden wäre. Es macht absolut keinen Sinn, einen – noch dazu fremden – Menschen unter Druck zu setzen. Ich musste leider feststellen, dass man durch diese Strategie genau das Gegenteil erreicht. Es kam vor, dass ich mich so verhalten habe, wenn ich gerade schwierige Zeiten durchmachte, besonders nach einer schmerzhaften Trennung. Ich fühlte mich in dieser Situation unsicher, orientierungslos und darunter litt mein Selbstwertgefühl extrem. Keine gute Voraussetzung, um eine souveräne Botschaft in das „Single-Universum“ zu senden. Einen Tag ohne Nachricht meines virtuellen Flirts bedeutete: Ich hatte sicher – wieder einmal – etwas falsch gemacht. Das negative Kopfkino war kaum zu stoppen. Nur auf Basis einer merkwürdigen Vermutung interpretierte ich eine momentane Funkstille als Zurückweisung. Ich war Experte, mich in ein Problem hineinzusteigern, das nicht real existierte.

Angst davor haben, authentisch zu sein

Heute achte ich mehr auf den Inhalt und die Frequenz meiner Nachrichten und versuche dieses Katz-und-Maus-Spiel zu meiden. Eine Hinhaltetaktik führt nur ins Leere. Sich rarmachen bedeutet für mich: Angst davor haben, authentisch zu sein. Auch mir fällt es schwer, einem fremden Menschen zu vertrauen. Ich finde es nachvollziehbar, wenn Frauen im Netz besonders vorsichtig sind. Also liegt es an mir, das Eis zu brechen, indem ich Persönliches verrate. Je nach Feedback hat man relativ schnell die Möglichkeit herauszufinden, ob die Chemie stimmt. Es geht nicht darum, eine Art Fragenkatalog abzuarbeiten. Ich möchte erfahren, wie dieser (noch) unbekannte Mensch denkt und fühlt, was ihn bewegt. Ich kann auch schnell einige Gänge wieder runterschalten, wenn ich merke, dass viele Antworten unverbindlich klingen. Ich bleibe lieber fokussiert und schaue, ob ein echtes Interesse an meiner Person vorhanden ist.

Mehr Verbindlichkeit und Offenheit

Ich sehe mich nicht als „Jäger“, der eine „Beute“ erlegen muss. Flirten muss beiden Spaß machen, losgelöst von Klischees. Auf der anderen Seite mag ich es, einer Frau zu zeigen, dass ich sie begehre. Ich glaube, es würde uns allen guttun, sich wieder etwas mehr „old School“ zu verhalten. Zum Beispiel: ehrliche Komplimente zu machen auch in der Kennenlernen-Phase. Was mich am meisten am virtuellen Dating stört, ist die Unverbindlichkeit. In der kleinen Tinder-Welt werden uns jeden Tag immer wieder neue Profile angezeigt, um uns irrtümlich glauben zu lassen, dass da draußen etwas Besseres auf uns wartet.

Diese falsche Erwartung erschwert unsere Kommunikation erheblich. Mir ist Klarheit wichtig. Es macht keinen Sinn, ewig auf ein Date zu warten. Beide können wochenlang chatten oder telefonieren, entscheidend bleibt die Begegnung. Ich glaube, dass sich unbewusst alles in den ersten fünf Minuten abspielt. Erst dann finde ich heraus, ob Realität und Fantasie zusammenpassen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal eine Frau „offline“ kennengelernt habe. Vor einer Ewigkeit erschien es mir sehr einfach und heute wüsste ich nicht mehr, wie es geht. Es klingt vielleicht etwas nostalgisch, aber ich wünsche mir mehr Offenheit und vor allem Verbindlichkeit. Träumen darf man ja …

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Über den Autor/die Autorin

Jonathan Bern

Jonathan Bern ist teils in Deutschland und teils in Frankreich aufgewachsen. Seine Wahlheimat bleibt Nizza, wo er mit 17 auf die merkwürdige Idee kam, einen Magister in Germanistik zu machen. In dieser Zeit schrieb er einen Artikel für die renommierteste französische Zeitung "Le Monde" und beschloss Journalist zu werden. Die Zeitung, bei der er einen Job fand, musste nach einem Jahr Konkurs anmelden und so landete er bei einer Airline, um seine Miete zu zahlen. Seitdem träumt er davon, irgendwann ein Buch zu schreiben..