Bisexuelles Dating – Geschlechterunterschiede beim Flirten

Erst hatte sich unsere “bi happy”-Autorin Nadine Primo ein wenig gewehrt, über Geschlechterunterschiede beim bisexuellen Dating zu schreiben. Doch sie muss ehrlich sagen, dass sich das ein oder andere Klischee tatsächlich bewahrheitet hat…

Mittlerweile treffe ich seit fast 10 Jahren regelmäßig Männer oder Frauen. Transpersonen oder non-binäre Menschen sind bisher noch nicht dabei gewesen, zumindest hat sich niemand vor mir „geoutet“. Darum spreche ich in dieser Kolumne bewusst von Männern und Frauen, denn meine Spielgefährtinnen haben sich im Verlauf der Jahre immer als diese definiert. Das erst einmal vorneweg.  

Zugegeben, ich habe mich zuerst ein wenig dagegen gewehrt, einen Text zu schreiben, der sich mit den Unterschieden beim Daten von Frauen und Männern auseinandersetzt. Die Gefahr ist groß, Geschlechterklischees zu bedienen. Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht, als ich bereits vor drei Jahren einmal über das Dating Life einer Bisexuellen – in dem Fall mein eigenes – schrieb.  

Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass sich das ein oder andere Klischee auch bewahrheitet hat. Mir ist immer wieder aufgefallen, wie sehr wir uns doch gegen manche Stereotype wehren, obwohl sie am Ende doch noch Bestand haben.  

Bisexuelles Dating: Wenn Frau Frau sucht

Ein Beispiel: Einige lesbische Frauen wollten mich nicht daten, weil es ihnen nicht passte, dass ich außerdem mit „dem Feind ins Bett gehe“. In dem Fall ganz klar: der Mann. Heterosexuelle Männer hingegen freuten sich meist über meine sexuelle Orientierung, denn ein Dreier schien in ihren Augen nicht weit. Pärchen haben mich gerne getroffen, da ich die perfekte Spielgefährtin und somit eine Bereicherung für ihr, teilweise etwas verstaubtes, Sexleben war.  

Gerade, wenn ich andere bisexuelle Frauen gedatet habe, ist mir des Öfteren bewusst geworden, was mein Ex-Freund damit meinte, wenn er von der zehrenden Umwerberei sprach, die er für manch ein weibliches Geschöpf an den Tag legen musste. Die Kommunikation gestaltete sich hier meistens schwieriger und ich begriff, dass es aber nicht nur an „ihr“ lag.  

Wir waren es scheinbar beide gewohnt, dass der Mann in der Regel den ersten Schritt macht bzw. die erste Nachricht hinterlässt, nach einem Treffen fragt, einen Ort vorschlägt und das Ganze so in Gang bringt.  

Anders kann ich mir nicht erklären, wieso ich in der Summe weitaus mehr und vor allem unkomplizierter Männer gedatet habe. Das soll jetzt nicht so klingen, als wäre es allgemein eine Tortur andere Frauen zu daten. Im Gegenteil: das Warten hat sich meistens mehr als ausgezahlt, denn viele dieser Frauen zähle ich bis heute zu meinem Freundeskreis. Die Dates waren intensiver, ehrlicher und hatten mehr Tiefgang. Wie hat meine Oma immer gesagt „Gut Ding will Weile haben.“ Recht hat sie!  

Frauen schienen zwar zaghafter, dafür aber ehrlicher in ihrer Kommunikation. Was mich immer wieder beeindruckt hat, war ihre totale Offenheit. Gerade, wenn zum Beispiel noch nicht so viel Erfahrung beim gleichgeschlechtlichen Dating vorhanden war und sie keine falschen Versprechungen machen wollten.  


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