Meine Dating-Erfahrungen in Berlin – Als ich aufhörte mich zu rechtfertigen und zu teilen begann

Dating ist nicht gleich Dating. Wie sich das Single-Leben in Köln und Berlin unterscheidet, hat Nadine Primo mal genauer unter die Lupe genommen.

Nachdem es mich vor kurzem jobbedingt aus Köln in die Hauptstadt verschlagen hat, kann ich nach den ersten Monaten bereits ein klares Resümee ziehen. Zumindest was das Datingleben betrifft, denn gerade in Berlin, scheinen andere Regeln zu gelten.

Hier, in Berlin, stoßen meine alternativen Vorstellungen von Liebe, Sex und Partnerschaft in den meisten Fällen auf Zustimmung statt auf Verunsicherung oder sogar Ablehnung. In den Gesichtern meines Gegenübers sehe ich meist ein Grinsen oder manchmal sogar ein müdes Lächeln, in den seltensten Fällen jedoch eine erschrockene Mine oder verurteilende Blicke. Meistens sind meine Erlebnisse auch nur einige von vielen, vor allem, wenn es um freie Liebe oder offene Beziehungskonzepte geht. In Berlin (scheinbar) bereits ein alter Hut.

Zuvor, in Köln, hatte ich hingegen öfters mit Ablehnung zu kämpfen. Gerade im ersten Jahr meiner offenen Beziehung erfuhr ich viel Gegenwind und musste mich regelmäßig rechtfertigen. Irgendwann schrieb ich den ein oder anderen Text, erklärte mich und meine Beziehung. Versuchte den Menschen unser Beziehungsmodell schmackhaft zu machen, und unsere Liebe zu legitimieren. Es ging genauer gesagt um die Art, wie wir unsere Liebe lebten, denn scheinbar stießen wir damit bei den meisten Menschen im ersten Moment auf Unverständnis. Wie konnten wir uns wirklich lieben, wenn wir trotzdem andere Menschen trafen und eigentlich keine wirkliche Veränderung zum Singlesein spüren müssten.

Zugegeben, witzige Annahme: Diese impliziert ja erst einmal, dass eine Beziehung mit Einbußen verbunden ist und sie auf jeden Fall einen Gegensatz zum Single-Dasein darstellen muss – vor allem auf sexueller Ebene. In diesem Moment ist für mich bereits klar, dass mein Gegenüber Sex und Liebe nicht trennt, daher ist es wahrscheinlich auch unvorstellbar für ihn oder sie, mein bzw. unser Beziehungskonzept als wirkliche Alternative zur Monogamie zu sehen. Vielleicht ist im ja Rheinland auch einfach nur noch eine alte Vorstellung von Romantik verbreitet.

Ist ja so, die Kirche hatte hier einen längeren und stärkeren Einfluss auf das System und die Gesellschaft. Schließlich sind am ehesten unsere Eltern bzw. unsere Erziehung prägend für unsere spätere Art, Beziehungen zu führen und Vorstellungen von Liebe zu entwickeln. Eventuell hat Hollywood hier auch einfach einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen oder aber, es ist am Ende einfach nur meine Sicht auf die Dinge und mein Querschnitt an Erfahrungen, die ich gemacht habe. Wahrscheinlich letzteres… Das sollte ich vielleicht an der ein oder anderen Stelle manchmal anmerken.

Ich muss mich nicht ständig rechtfertigen

Also, das Datingleben in Berlin unterscheidet sich für mich in der Hinsicht maßgeblich, dass ich mich auf einmal etwas langweiliger und normaler fühle. Das ist gar nicht negativ gemeint, denn normal kann eben auch bedeuten, dass man sich nicht ständig rechtfertigen muss. Auch hier besteht noch einmal ein großer Unterschied: In Berlin empfinde ich es jedenfalls als durchaus unkomplizierter und alltäglicher Dating Apps zu nutzen, mit neuen Bekanntschaften über andere Bekanntschaften zu sprechen, offen von vorneherein zu artikulieren, nach was mir aktuell der Sinn steht und mich niemandem gegenüber auch nur ansatzweise verpflichtet zu fühlen – im Gegenteil!

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Absolut nicht. Jede*r von uns, der sich aktiv auf Social Media, allen voran Instagram, rumtreibt, kriegt nicht genug zensierte weibliche Nippel zu sehen. Der Aufschrei ist nach wie vor groß und neben prominenten Vertreter*innen, zeigen auch jede Menge Künstler*innen, Fotograf*innen regelmäßig, was sie von der ungerechten Zensur halten.