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Leck mich! Mehr Mut im Bett und in der Liebe – Ein Buchtipp

„Attraktivität hat viel mehr mit dem Innen zu tun hatte als mit dem Außen“

Und irgendwie war es für mich auch ein Beweis dafür, dass Attraktivität doch viel mehr mit dem Innen zu tun hatte als mit dem Außen. Denn kompromisslos einen Menschen zu finden, mit dem ich schlafen wollte und der das auch wollte, war nie ein Problem gewesen. So uninteressant konnte ich also nicht sein. Mir wurde klar, dass meine Ausstrahlung mein wichtigstes Accessoire war. Klar, ich hatte lange schöne Haare und tolle Brüste und auch ganz spannende Augen. Wie wir alle hatte auch ich äußere Attribute, die andere und ich selbst attraktiv fanden.

Aber ich habe irgendwann angefangen, mich zu fragen, was ich selbst an Menschen schön und anziehend finde. Und das hat nichts mit Perfektion zu tun. Die Männer, die ich gedatet habe, waren alle auf sehr unterschiedliche Art und Weise gut aussehend und anziehend für mich. Manche hatten den vermeintlich perfekten Körper, aber der Penis war vielleicht nicht der größte. Andere waren vom Typ her nicht das, was ich normalerweise auf den ersten Blick attraktiv fand, aber dann war es vielleicht ihre Zielstrebigkeit oder wie witzig und lieb sie mit ihren Freunden umgingen. Ich fand sie allesamt superheiß. Wollte ihnen nahe sein, wissen, wie sie tickten, mit ihnen schlafen. Weil sie irgendetwas an sich hatten, das ich anziehend fand. Und das war vor allem ihre Ausstrahlung und ihre Wirkung auf mich.

Mit einem Ex-Liebhaber hatte ich mich bei unserem Kennenlernen auf einer Party sehr gut unterhalten und plötzlich schaute er mir tief in die Augen und küsste mich einfach. Und er küsste gut. Wahnsinnig gut. »Sorry, ich musste das jetzt tun. Du bist einfach so toll!«, hatte er danach zu mir gesagt. Mir imponierte seine Selbstsicherheit. Und ich fühlte mich dazu sehr begehrt. Er fand mich toll, obwohl mein Hintern Dellen hatte und obwohl mein Bauch Wellen schlug und obwohl ich beim Küssen wahrscheinlich ein Doppelkinn hatte. Und in Situationen wie diesen fiel für mich jedes Mal ein Groschen, bis ich es tatsächlich verstanden hatte. Unser Verhalten, unsere Ausstrahlung und unsere Art, uns zu bewegen, zu sprechen, zu flirten, mit anderen umzugehen, war ein wichtiger Schlüssel für Attraktivität. Und auch das, was wir sagten, wofür wir standen und wer wir als Gesamtpaket waren, das machte meist sehr viel mehr Eindruck auf unser Gegenüber als vier Kilo weniger auf der Waage.

„Angst und Scham zu haben ist okay. Aber ich möchte mir nicht mein Leben davon diktieren lassen.“

Meine Sexualität war und ist für mich vor allem dafür da, mich fallen zu lassen, Spaß zu haben, mich zu spüren, mich zu entdecken, nicht denken zu müssen, mich entspannen zu können. Und für all das ist körperliche Unsicherheit wirklich ein riesiger Störfaktor. Und für diese paar Makel ist mir meine Lust zu schade. Ich könnte darüber nachdenken, wie ich das Licht im Schlafzimmer doch noch ausschalten kann, oder ich lasse die gierigen Blicke des Mannes, mit dem ich schlafe, einfach zu und genieße sie, anstatt mich selbst runterzumachen. Angst und Scham zu haben ist okay. Aber ich möchte mir nicht mein Leben davon diktieren lassen. Dafür ist es zu kurz und Sex einfach zu gut.

Lass das Spiel beginnen, dachte ich also und ging zwei Schritte zurück in den Flur. Am anderen Ende stand er, nackt, und wartete auf meine Anweisungen.

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Über den Autor/die Autorin

Anna Zimt

Anna liebt Sex, erste Dates und ihren Mann Max. Die beiden führen eine offene Ehe. Sie ist Autorin, Songwriterin und noch ganz viel mehr. In ihrer Kolumne „Nacktaktiv“ schreibt sie für beziehungsweise über die Dinge, die sie nackt und nachts erlebt und über alles, was ihr so durch den Kopf geht, wenn sie mal nicht schlafen kann.

Weitere Stories aus dem Leben von Anna kann man in ihren Bücher "In manchen Nächten hab ich einen anderen" und "Leck mich - Wie ich lernte zu bekommen was ich will: Im Bett, in der Liebe und im Leben“ nachlesen oder in mit ihrem Podcast "Schnapsidee - der Podcast über Liebe, Love & sexy sein" hören.