Leck mich! Mehr Mut im Bett und in der Liebe – Ein Buchtipp

»Hi«, sagte er, als er neben mir saß, und sah mir dabei fest in die Augen.

»Hi.« Ich hielt seinem Blick stand. Wir hatten uns nie zuvor gesehen und bisher nur zwei echte Worte gewechselt, doch die Spannung zwischen uns war zum Zerschneiden. Das Gespräch, das wir während eines Glases Weißwein führten, war nebensächlich. Das Einzige, an das ich mich bis heute erinnere, ist, wie er mir davon erzählte, dass er in Thailand herausgefunden hatte, doch eher der Luxusurlauber statt Rucksacktourist zu sein. Es ärgerte ihn nämlich sehr, dass das WLAN im VIP-Bus, der ihn und seinen Freund durch Thailands Walachei fahren sollte, nicht funktionierte.

»What the fuck?!«, hätte ich ihm fast an den Kopf geworfen. »Kannst du verdammt noch mal aus dem Fenster gucken und die Natur und das Land genießen, anstatt in dein Scheißhandy zu gucken?« Aber dann fiel mir ein, dass wir generell eh wenig gemeinsam hatten und es mir auch gar nicht wichtig war, diese Frage mit ihm zu diskutieren. Ich wollte mit ihm diesen einen Abend verbringen. Nicht mehr und nicht weniger. Es war egal, wie er seine Urlaube gerne verbrachte.

“Ich ahnte, was in seinem Kopf vor sich ging”

Das, was hinter den belanglosen Worten zwischen uns passierte, war viel wichtiger. Sein geschultes Auge hatte entdeckt, dass ich Strapse trug, und er musterte mich seitdem immer eindringlicher, während wir weiterredeten. Mich erregten seine Blicke. Und mich erregte, dass Yannik so höflich und streng und wahnsinnig sexy neben mir saß und sich zurückhielt, obwohl ich ahnte, was in seinem Kopf vor sich ging.

»Ich will, dass du mich benutzt. Ich will, dass du mit mir alles machst, was du willst. Nimm dir, was du brauchst. Nimm dir, was dich geil macht«, hatte er mir an diesem Morgen noch per SMS geschickt, und seitdem kreisten meine Gedanken darum, was heute Nacht passieren würde.

Den ganzen Tag über war ich nervös und aufgeregt gewesen. Es war anders als die Aufregung, die ich zuvor bei Männern empfunden hatte. Ich war nicht unangenehm aufgeregt, aber ich spürte die Herausforderung, die vor mir lag.

Denn in seiner Nachricht ging es nicht nur darum, dass ich keine Scheu davor haben sollte, ihm zu sagen oder zu zeigen, was mir im Bett gefiel. Nein, ich sollte die komplette Regie übernehmen. Nach meinen Regeln, nach meiner Vorstellung, nach meiner Fantasie, meiner Lust. Und ich wusste, dass ich von ihm alles verlangen könnte. Dieser Mann würde mir wahrscheinlich jeden sexuellen Wunsch erfüllen. Weil ihn genau das anmachte. Willenlos zu sein und meine Befehle in Empfang zu nehmen und damit jedwede Kontrolle abzugeben. Genau darum ging es. Um Kontrolle.

Natürlich hatte ich meinen Liebhabern schon oft gesagt, was ich mir wünschte. Ich hatte aber nie aktiv die dominante Rolle übernommen, die ganz allein entschied und befahl, was als Nächstes passieren sollte. Die ihrem Gespielen sagte, was er machen sollte. Und wie er es machen sollte. Und was passierte, wenn er es nicht tat.

»Ich will dich«, flüsterte Yannik mir ins Ohr, als wir eine halbe Stunde später in seinem dunklen Wohnungsflur angekommen sind, der nur durch das Laternenlicht von draußen etwas beleuchtet wurde.

»Ich weiß«, hauchte ich zurück. »Du musst aber noch warten. Ich habe das Sagen. Und ich sage dir: Bleib hier stehen und zieh dich aus. Komplett.«

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