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Beim Sex wie abwesend: Über Sexsomnie und den Einfluss der Pornoindustrie

Schon mal was von Sexsomnie gehört? Dem Phänomen, dass Menschen beim Sex einschlafen oder diesen schlafend vollziehen? Lena Lamberti ist zwar nicht davon betroffen, hat aber das Gefühl, sich in puncto Sex früher gar nicht mehr so weit davon entfernt befunden zu haben

Als Kind der Generation Porno war ich vielleicht 14 oder 15, als ich zum ersten Mal einen Sexfilm sah. Viele Jahre und sexuelle Erfahrungen später begreife ich erst heute, wie stark mich die Pornoindustrie sowie allgemein die Medien in meiner Sexualität und meiner Entwicklung als Frau beeinflusst haben. Über Jahre hatte ich Sex nicht für mich, sondern für andere und die Erwartungen, von denen ich dachte, dass ich sie als Frau erfüllen müsste.

Muss Sex tatsächlich wie im Porno ablaufen?

Auch wenn ich heute verstehe, dass „normaler“ Sex wenig mit dem zu tun hat, was in Pornos über die Mattscheibe flimmert, dachte ich früher genau auf diese Art und Weise Sex haben zu müssen. Ich hatte Angst, die „langweilige Zicke“ zu sein, wenn ich mich der Vielfalt im Bett sowie den Extremen, die diese manchmal annehmen kann, nicht öffnete.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das keinen Spaß gemacht hätte. Ich mochte es, mich auszuprobieren, und die vielfältigen Abenteuer, die damit einhergingen. Gleichzeitig bewertete ich Sex auch oft über, denn in meinen Augen war es das absolut Wichtigste, um einen Mann von mir zu überzeugen, und gleichzeitig stellte ich auch selbst extrem hohe Ansprüche an das Entertainment-Programm in der Horizontalen. In meinem Bett herrschte absoluter Leistungsdruck und die Gefallen-Wollen-Attitüden ließen mich meine eigenen Bedürfnisse über Jahre ganz und gar vergessen. Es war mir wichtiger, dass mich mein Gegenüber am Ende der Nummer zufrieden anlächelte und mir „mal wieder“ sagte, dass das gerade der beste Sex seines Lebens gewesen sei oder wie geil es mit mir sei, als dass ich zuließ, einfach mal einen Gang herunterzuschalten und das zu hinterfragen, was ich dort alles tat.

Oft war es so, dass ich Sex deshalb als Pflicht erlebte und mich am Abend oft zu müde fühlte, um auch noch die „perfekte“ Show abzuliefern – bei dieser Herangehensweise ist es sicher auch leicht nachzuvollziehen, warum.

Schluss mit dem Abspulen von Standardnummern

Für mich war das alles irgendwann nur noch lahm, denn statt zu spüren, was ich selbst wollte und brauchte, spulte ich ab einem bestimmten Punkt nur noch die Standardnummer ab, von der ich wusste, dass sie funktionierte. Irgendwann hatte ich Sex mit einem Mann, den ich genauso erlebte. Er war technisch und leidenschaftlich auf einem sehr hohen Niveau und wir jagten von einem Orgasmus zum nächsten. Aber fühlen? So richtig? Ich war einige Male gekommen und fühlte mich dabei dennoch absolut unbefriedigt. Wir hatten Sex, aber irgendwie nicht miteinander. Es fühlte sich stumpf an, weil weder er noch ich so wirklich bei der Sache und im Moment waren. Wir taten das, was wir schon unzählige Male vorher auf sehr ähnliche Weise gemacht hatten und waren dabei im Autopiloten-Modus und abwesend von dem, was hier eigentlich passierte.

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Über den Autor/die Autorin

Lena Lamberti

Lena Lamberti ist Ärztin und Bloggerin. Im Dezember 2017 hat sie begonnen für ein Jahr auf Männer – bzw. auf Sex mit diesen – zu verzichten und schreibt unter oneyearnoguy.org über ihre Erfahrungen damit. Erstaunlich ehrlich öffnet sie dem Leser ihre Gefühle, hinterfragt sich, die Welt und ihre Vergangenheit. Sie scheut nicht davor sich verletzlich zu zeigen und den Blick hinter die Fassade einer modernen Powerfrau zu offenbaren, die doch eigentlich nur die große Liebe sucht und leider zu oft an den falschen Stellen danach gesucht hat. In ihrem Blog zeigt sie die Transformation auf, die sie durchmacht, während sie sich abseits des Datingswahns selbst findet. Eine ungewöhnlicher und spannender Weg zum Glück.