Liebe in den Zeiten von Corona: Streit, wo es nie zuvor Streit gab

Die Pandemie COVID-19 ist in aller Munde und beherrscht momentan das Leben der Menschen auf der ganzen Welt. Das Virus verändert jedoch nicht nur die Arbeitswelt und den Alltag, sondern birgt auch Gefahren für eine Beziehung. Unsere Autorin erzählt vom einem Paar, das die Pandemie zum Streitthema macht

Verena und Ben sind eines von den wirklichen Traumpaaren, wo andere seufzend sagen: Die streiten sich nie. Das wünsche ich mir in meiner Beziehung auch. Manche argwöhnen, dass das Paar Konflikte unter den Tisch kehrt.  Es gibt aber viel mehr Freunde und Bekannte aus dem Umfeld der beiden, die vor Verena und Ben den Hut ziehen und anerkennen, dass es das eben gibt, eine seltene Perle in Beziehungen: Kein Streit. Friede, Freude, Eierkuchen.

Verena und Ben hatten schon diverse Partnerschaften hinter sich, bevor sie sich kennenlernten und ineinander verliebten. Sie wussten genau, was sie wollen und was sie nicht wollen. Sie haben zum Beispiel beide in der Vergangenheit Probleme mit extrem eifersüchtigen Partnern gemacht, und waren sicher: Nie wieder. Nähe spielt bei Verena und Ben eine große Rolle, aber gleichermaßen Freiheit. Was ihnen fast noch wichtiger ist als stürmische Leidenschaft: Respekt, Achtung, Wertschätzung, die ruhigen Qualitäten der Liebe. Aus diesem gemeinsamen Geist heraus führen Verena und Ben seit 12 Jahren eine harmonische Beziehung. Und nun macht ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung. Das kinderlose Paar ist ohnehin schon etwas angespannt deshalb, weil die zwei zu Homeoffice gezwungen sind, und ihre Arbeitsplätze fast so sehr lieben wie den Partner. Verena und Ben vermissen den Austausch mit den Kollegen, es ist ein Angang für sie, von zu Hause aus zu arbeiten und sich dort zu konzentrieren. Das würden die beiden sicher in den Griff kriegen, sie haben eine riesige Wohnung, es gibt also Rückzugsmöglichkeiten.

Verena reagiert total hysterisch

Was ihnen das Leben und die Liebe zur Zeit schwer macht, so sehr, dass es zu heftigen Streitigkeiten kommt, ist die unterschiedliche Vorstellung darüber, was die Regierung damit meint, dass man nur die notwendigen sozialen Kontakte pflegen möge. Verena hält das penibel ein, sie versteht unter „notwendig“ lediglich den Gang zum Supermarkt. Ben dagegen möchte sich gelegentlich mit Freunden treffen, keine Party feiern, aber ab und zu einen seiner Freunde treffen, eine gute Flasche Wein teilen, reden, vielleicht auch mal die Eltern besuchen, die sich einsam fühlen. Sie sind nicht steinalt und sehr fit. Ben sieht da überhaupt kein Problem, diese wenigen Kontakte zu pflegen. Er regt sich tierisch darüber auf, wie hysterisch Verena aus seiner Sicht ist.

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