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Liebe kann nicht rechnen

Wer gibt was? Wer investiert wie viel? Jedes Paar führt ein Beziehungskonto und das gerät rasch auch mal ins Minus. Jule Blogt rechnet vor, wie die Liebe immer im Plus bleiben kann

Von Beziehungen habe ich echt keine Ahnung, könnte man meinen, wenn man betrachtet, dass ich streng genommen erst zwei richtig ernsthafte Liebesgeschichten hatte. Ernsthaft im Sinne von Länge und räumlicher Intensität. Klar, eine Beziehung kann auch ernsthaft sein, ohne dass man ständig zusammen hockt oder sogar zusammen wohnt. Warum aus meinen vielen „Liebschaften“ nur so selten etwas Ernsthaftes wurde? Ich bin verdammt schlecht in Mathe. Bei mir ergab 10 + 0 immer 0. Die 10, die in meiner Gleichung so groß und erhaben daherkam, war mein Gewicht, welches ich in die Beziehung warf. Die 10 enthielt nicht nur Gefühle, sondern auch Freunde, Hobbys und Leidenschaften, die ich meinem Partner „zur Verfügung stellte“. Ich schmiss sozusagen ein 10kg Pack Jule auf die Apothekerwaage, während mein Gegenüber mit 0 nicht einmal eine Priese seiner selbst als Gegengewicht einsetzte. Dumm gelaufen. Das schwere Jule Paket fand sich nun ganz unten wieder. Dort, am tiefsten Punkt meiner Beziehungswaage, war es dunkel und einsam. Traurig blickte ich nach oben und musste feststellen, dass mich hier wohl niemand retten kommen würde. Hatte ich nicht alles getan, alles gegeben, damit ein Gleichgewicht entsteht? Am liebsten hätte ich in solchen Situationen einfach weitere 10kg Jule genommen, und sie auf die andere Seite der Waage geworfen, nur damit ich aus diesem Loch herauskommen würde. Aber was wäre das Ende vom Lied? Ich hätte eine Beziehung mit mir selbst geführt. Dafür kann ich auch Single bleiben.

Wer nichts gibt, hat nichts zu verlieren

Schlau wie ich bin, dachte ich nach diesem Fehlschlag natürlich, die Weisheit wäre mir zuteil geworden und ich wüsste nun ganz genau, wie viel Jule ich auf die Beziehungswaage packen müsste. Gar nichts! Mit verschränkten Armen würde ich dieses Messgerät anschauen, kurz überlegen und dann mit den Schultern zucken. Etwas von mir zu geben, hat beim letzten Mal alles aus dem Gleichgewicht gebracht. Also, sein lassen. Gemütlich zog ich mich in meine Ego-Ecke zurück und behielt alles für mich, was mein Leben ausmachte. Wozu sollte sich mein Partner mit meinen Freunden auseinandersetzen? Was brauchte ich ihn zur Ausübung meiner Hobbys? Wer nichts gibt, hat nichts zu verlieren. Ich fühlte mich unnahbar und cool. Bildlich betrachtet, befand ich mich mit beiden Beinen außerhalb des Beziehungsgeflechts. Da ich mich nicht auf das einließ, was da hätte passieren können, blieb auch das Hormonchaos aus. Kein Chaos im Kopf bedeutet: das mit der Mathematik funktioniert wieder. 0 + 0 = 0 Denn auch der Andere, mit dem ich anscheinend eine Beziehung führte, blieb mit beiden Beinen weit entfernt von der Beziehungswaage. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir feststellten: Wir möchten keine 0 sein. Weg, tschüss, mach’s gut. Genauso schulterzuckend, wie ich die Beziehung begann, beendete ich sie. Ich hatte ja nichts verloren, da ich nichts gegeben hatte.

Mathematik in der Liebe ist Mist

Nun zog ich durch die Welt in dem Wissen: Mathematik ist Mist, und Waagen sind es auch. Nichts funktioniert so, wie ich es gerne hätte. Die Scheu vor neuen Rechenfehlern und Unausgewogenheit ließ mich vor Beziehungen jeglicher Art zurückschrecken. Dies änderte sich, als ich auf einen Mann traf, der die hohe Kunst des Rechnens beherrschte. Er erklärte mir nicht, dass 0 + 0 nun einmal 0 ergab, sondern dass ich eine Sache komplett außer Acht gelassen hatte: Etwas zu geben und darauf zu warten, etwas zurückzubekommen, ist der falsche Ansatz. Gerade zu Beginn einer Beziehung muss man sich erst einmal sprichwörtlich mit dem Hosenboden auf den tiefsten Punkt der Waagschale setzen. Mit Glück, legt der Partner irgendwann einen Teil seines Selbst auf die Gegenseite und sorgt dafür, dass sich ein Gleichgewicht herstellt. Das Ungleichgewicht des Anfanges muss ausgehalten werden, auch wenn es unangenehm erscheint. Und wissen Sie was? Adam Riese kann sich von mir aus im Grabe umdrehen, wenn er mag, aber für mich gilt seit diesem Zeitpunkt: 1 + 1 = 11.

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Über den Autor/die Autorin

Jule Blogt

Jule ist eine waschechte Berliner Single-Frau Ende 20. Wenn sie nicht gerade “irgendwas mit Medien” macht, schreibt sie einen Blog über das aufregende Leben als Großstadtsingle. Sie bloggt auf juleblogt.de