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Die Akademikerin und der Handwerker: Kann eine solche Beziehung gelingen?

Thea macht ihre Welt zum Maßstab der Liebe

Trotz ihres Glücks schleicht sich das Gift aus Theas Umfeld nach und nach in ihre Seele, in ihre Beziehung. Es nagt an ihr. Sie wird kleinlich. Thea fängt an, Josef auf Rechtschreibfehler in seinen kleinen Liebeszettelchen aufmerksam zu machen, Zettel, die sie eigentlich toll findet. Josef wiederholt sich nie in seinen Liebesbekundungen, er hat Phantasie, er findet immer schöne und neue Worte. Thea kann auch jedes Wort lesen, nur ab und zu ist da ein Fehler im Text. Thea zeigt mit dem Finger drauf.

„Es war wie ein Sog“, gesteht Thea. „Nachdem ich damit angefangen hatte aus Josef einen anderen Menschen machen zu wollen, konnte ich nicht mehr damit aufhören. Ich ging davon aus, dass ich Josef helfen will. Ich beschäftigte mich damit, wie ich aus ihm einen Bildungsbürger machen konnte. Für eine bessere Zukunft für ihn, für mich, für uns. Ich dachte, ich muss mich trennen, wenn Josef sich nicht intellektuell optimiert. Zugleich konnte ich selbst nicht in den Spiegel schauen, es war mir vor mir selbst peinlich, wie oberlehrermäßig ich mich aufführte. Ich legte Josef Bücher hin, die er lesen sollte, ich redete auf ihn ein, dass er mit mir in die Oper geht, ich dozierte und quengelte. Im Bett war ich lustlos, ich wollte lieber, dass Josef liest anstatt mit mir zu schlafen. Josef hat sich das gefallen lassen wie ein Lamm, er hat versucht, die Sache mit Humor zu nehmen. Geduld hat er auch, aber eines Tages hat es ihm gereicht.  Er hat mir die rote Karte gezeigt. Ich lasse mich nicht verbiegen, Thea, hat er sehr ernst zu mir gesagt, ich bin nicht dein Schüler, ich will dein Mann sein. Wenn du das nicht willst, ist hier Schluss.

Die Angst vor der Trennung rüttelt Thea wach

Diese Worte treffen Thea tief, sie ist erschüttert, sie hat regelrecht Panik, dass Josef sie verlässt, dass sie ihr Glück verliert, sie sieht es wieder, ihr Glück, ihr großes Glück. Thea: „Und ich wusste, es ist nicht wie in meiner Ehe, die ich aufrechterhalten habe, um den Vater für Jan zu halten, nein, ich wusste, ich will Josef, ich will ihn für mich. Und natürlich auch für Jan. Ich will, dass wir eine Familie sind. Wir sind glücklich, das ist die Wahrheit. Alles andere ist eine Lüge. Ich habe Josef um Verzeihung gebeten und er hat sie mir gewährt.

Ich frage mich, wie ich mich habe derart verunsichern lassen von meinem Umfeld, ich frage mich, wie ich mich eigentlich als Mensch definiere, dass ich bereit war, jemand, der mich wirklich liebt, zu drangsalieren wegen reiner Oberflächlichkeiten. Bin ich zu fremdbestimmt? Ich möchte Josef eine adäquate Partnerin sein, ich bin es, die sich entwickeln muss, nicht er. Ich muss an meiner Souveränität, an meiner Humanität und an meiner Toleranz arbeiten, damit ich der Liebe von Josef würdig bin. Zusammen kriegen wir das hin, meine geliebte Lieblingslehrerin, hat Josef fröhlich gesagt.  Ich weiß, dass er Recht hat.“

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Über den Autor/die Autorin

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Birgit Ehrenberg, geboren 1962, ist Journalistin und studierte Philosophin. Sie begleitet und unterstützt Menschen mit ihrer Expertise in existenziellen Fragen zur Liebe und ist seit vielen Jahren erfolgreiche Autorin zum Thema. Auf beziehungsweise führt die Liebesforscherin mit Paarberater Eric Hegmann regelmäßig Gespräche über das Wesen der Liebe.