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Beziehungsanarchie, weil Liebe keine begrenzte Ressource ist

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Monogamie das vorherrschende, akzeptierte Beziehungsmodell ist. Jedoch gibt es Menschen, die gemerkt haben, dass Liebe für sie so nicht funktioniert und neue Wege einschlagen…

Alternative Beziehungskonzepte gewinnen im Vergleich zu früher zunehmend an Präsenz, so berichten auch schon Anna Zimt und Nadine Primo in ihren Kolumnen auf beziehungsweise offen über ausgelebte Beziehungskonzepte außerhalb der hetero-normativen und monogamen Norm. Jedoch ist es immer noch eine Minderheit der Menschen in Deutschland, die dieses Konzept für sich lebt oder in Erwägung zieht.

Manche nennen ihre Nicht-Monogamie „offene Beziehung“ und meinen damit meist, dass zwei Menschen eine Liebesbeziehung führen und gleichzeitig mit anderen Menschen in irgendeiner Form sexuelle Kontakte pflegen, ohne dass dabei Liebe involviert ist. Und dann gibt es diejenigen, die sich in irgendeiner Form als „poly“ oder „polyamourös“ bezeichnen und damit meinen, mehrere Menschen lieben zu können. Ob und wie dies auch gelebt wird, ist sehr individuell. Eine Variante davon ist die sogenannte Beziehungsanarchie. (Manche wiederum unterscheiden gezielt zwischen Polyamorie und Beziehungsanarchie und sehen „poly“ nicht als Oberbegriff, da es keine einheitlichen Definitionen gibt.) Der Begriff Beziehungsanarchie wurde von der schwedischen Journalistin Andie Nordgren geprägt.

Beziehungsanarchie geht davon aus, dass Liebe ähnlich wie Freundschaft keine begrenzte Ressource ist, die nur zwischen zwei Personen stattfinden kann. Diese Form der Anarchie befreit intime Beziehungen von konventionellen Ideen, Verpflichtungen und Traditionen. Das Ziel: Freiheit von allem, was die Gesellschaft diktiert oder instituiert. Beziehungen sollen aus etablierten Kategorien ausbrechen. Gegenseitiges Einvernehmen ist die einzige Grundlage der Beziehungen.

Innerhalb der monogamen Kultur liegt der Unterschied zwischen Freundschaften und Liebesbeziehungen in der Regel darin, dass es Raum für mehrere Freundinnen und Freunde gibt, aber nur für eine Liebespartnerin oder einen Liebespartner. An den Begriff (Liebes-)partnerin oder (Liebes-)partner sind Erwartungen geknüpft, wie eine Liebesbeziehung funktionieren muss. Es wird beispielsweise erwartet, dass beide Personen genau das gleiche füreinander empfinden und dass für die Beziehung Kompromisse eingegangen werden. Zudem darf nur eine Person geliebt werden, Liebe ist immer mehr als Freundschaft und es ist notwendig sich als „zusammen“ zu definieren. Zudem gilt Eifersucht in Maßen als gut, weil sie zeigt, dass die andere Person einem wichtig ist.

Bei Beziehungsanarchie wird Liebe nicht „bewertet“

Beziehungsanarchie bedeutet, dass es möglich ist, viele Menschen zu lieben und dass die Beziehungen nicht dadurch beschränkt werden, ob und wie sehr auch andere Menschen geliebt werden.

Ähnlich wie bei Freundschaften werden die verschiedenen Beziehungen nicht bewertet und miteinander verglichen, sondern jede auf ihre individuelle Art und Weise wertgeschätzt. Daher ist es auch nicht nötig die Beziehung mit jemandem als feste oder primäre Partnerschaft zu bezeichnen, damit die Beziehung als „echt“ gilt.

Gute Freundschaftsbeziehungen funktionieren meist so, dass man gemeinsam herausfindet, ob man in die gleiche Richtung will, und wenn das so ist, pflegt man den Kontakt. Es werden selten so große Kompromisse geschlossen und erwartet wie in (monogamen) Liebesbeziehungen.

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Über den Autor/die Autorin

Melina Seiler

Nachdem sie immer wieder von anderen so genannt wurde, bezeichnet sich Melina Seiler jetzt selbst als „Sexfluencerin des Vertrauens“ oder in seriös als sexpositive, intersektionale Feministin, Journalistin, Autorin, Speakerin, Podcasterin und Kolumnistin. Sie schreibt und spricht zu Feminismus (insbesondere zu Sexualität & Schönheitsidealen), LGBTQIA+ sowie zu Diversität und Diskriminierung allgemein. In ihrer Kolumne „Date mit einer Feministin“ schreibt sie für beziehungsweise über Vorurteile und Klischees, die über Feministinnen kursieren und erklärt was es mit dem Feminismus wirklich auf sich hat. Melina hat einen Bachelor of Arts in „Journalismus und Unternehmenskommunikation“. Aktuell absolviert sie ihr letztes Semester im Master „Journalistik und Kommunikationswissenschaft“ an der Uni Hamburg. Ihr Master Arbeit behandelt – wie soll es auch anders sein – die Frage, wie feministisch der Journalismus sein darf oder sogar sein muss. Mehr von Melina kann man in ihren Büchern „Was ich mal sagen wollte“, „LIEBEN & LEIDEN“ und „Kopf. Stein. Pflaster.“ lesen oder in ihrem Podcast „Gedanken einer Sexfluencerin“ hören.