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Offene Beziehung auf dem Dorf – Offen oder heimlich ausleben?

Offene Beziehungen werden nicht immer vom Umfeld akzeptiert. Eine Sorge, die auch unsere anonyme beziehungsweise-Leserin umtreibt. Via Instagram hat sie nach Tipps zum „Outing“ ihrer offenen Ehe gefragt und unsere Kolumnistin Anna Zimt teilt gerne ihre Erfahrungen

Liebe Anna,

mein Mann und ich versuchen uns gerade in einer offenen Ehe oder besser gesagt: Ich habe zurzeit eine Affäre, die von meinem Mann akzeptiert wird und er darf sich im Gegenzug auch umschauen. Da wir aber Angst davor haben, was andere von unserem Versuch halten, haben wir beschlossen, es für uns zu behalten. Denn wir wohnen in einem Dorf und ein wichtiger Teil unseres Jobs ist ein seriöses Image. Nun ist das für meinen Mann schwierig mit dem Umschauen, wenn es „geheim“ bleiben soll.

Habt ihr Tipps dazu, wie man sich outet und ob man sich überhaupt outen sollte? Ich finde ja, das ist eigentlich doch unsere Sache. Aber wenn die Leute dann reden, wenn sie keine Fakten haben und meinen Mann z.B. mit einer anderen sehen würden, wäre das schwierig. Das wäre dann vielleicht sogar schlimmer. Wir stehen prinzipiell zu unserer offenen Beziehung, möchten aber doch nicht so intime Dinge von uns preisgeben. Habt ihr vielleicht eine Lösung für unser Problem?

Viele Grüße, Sarah


Liebe Sarah,

vielen Dank für deine Nachricht. Ich habe ein paar Gedanken zu deiner Situation, die euch vielleicht dabei helfen, eine Lösung zu finden, die zu euch passt.

Wer sich mit sich selbst, dem Partner und der eigenen Beziehung sicher ist, ist weniger angreifbar.

Offene Beziehungsmodelle sind für viele leider immer noch ein Unding und verpönt. Einige fühlen sich bedroht von dieser Lebensweise und können wenig Toleranz aufbringen. Und dass, obwohl es sie selbst gar nicht betreffen muss. Vielleicht liegt es daran, dass wir mit unserem Beziehungsmodell Fragen aufwerfen, die nicht jeder hören will. Vielleicht spielt auch Angst vor den Antworten eine Rolle. Denn nicht jede*r mag z.B. die Reaktion auf die Frage: „Hast du manchmal Lust mit jemand anderem als mir zu schlafen?“ gerne hören.

Wenn größere Medien ein Interview über mich und meine offene Ehe veröffentlichen, ist in den Kommentaren der Leser*innen immer richtig viel los. Ich werde dort aufs Schlimmste beschimpft und beleidigt. Teilweise bedroht. Und das einfach nur, weil ich neben meinem Mann auch noch mit anderen Männern schlafe und dabei ehrlich bin. Halleluja.

Aber es ist leider Realität und man muss sich auf Kritik von außen einstellen, wenn man das eigene Liebes- und Sexleben ein stückweit öffentlich macht. Im realen Leben wird man zwar weniger offen beschimpft, dafür aber manchmal subtil abgewertet oder belächelt. Zumindest verwirrt und verständnislos angeguckt.

Einfacher wird es dann, wenn man sich in der eigenen Beziehung wirklich sicher und wohl fühlt. Denn es wird neugierige und manchmal indiskrete Fragen hageln, sobald ihr andere Menschen einweiht. Die muss man zwar nicht beantworten, aber sie bringen Unruhe rein und die Frage ist, ob ihr in dem Stadium des „mein Mann und ich versuchen uns gerade in einer offenen Ehe“ schon Bock darauf habt.

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Über den Autor/die Autorin

Anna Zimt

Anna liebt Sex, erste Dates und ihren Mann Max. Die beiden führen eine offene Ehe. Sie ist Autorin, Songwriterin und noch ganz viel mehr. In ihrer Kolumne „Nacktaktiv“ schreibt sie für beziehungsweise über die Dinge, die sie nackt und nachts erlebt und über alles, was ihr so durch den Kopf geht, wenn sie mal nicht schlafen kann.

Weitere Stories aus dem Leben von Anna kann man in ihren Bücher "In manchen Nächten hab ich einen anderen" und "Leck mich - Wie ich lernte zu bekommen was ich will: Im Bett, in der Liebe und im Leben“ nachlesen oder in mit ihrem Podcast "Schnapsidee - der Podcast über Liebe, Love & sexy sein" hören.