Wenn du die Liebe nicht genießt, dann machst du sie falsch

“Wenn du die Liebe nicht genießt, dann machst du sie falsch.” Unsere Kolumnistin Jana Seelig fragt sich, wie viel Schmerz in der Liebe okay ist und ob man wirklich um jeden Preis darum kämpfen muss

In den letzten zehn Jahren hatte ich zwei große Beziehungen. War mit zwei Menschen zusammen, die ich – jeden für sich – auf ihre ganz eigene Art und Weise geliebt habe, und das mit meinem ganzen Herz. Eine Liebe davon tat sehr weh. Die andere war, nein, ist so leicht, dass ich mich manchmal schon gefragt habe, ob das wirklich Liebe ist – immerhin hat man mir fast mein ganzes Leben lang erzählt (und in diversen Hollywood-Filmen vorgelebt), dass Liebe weh tun muss und dass es, wenn man nicht umeinander kämpft, gar nicht wirklich Liebe ist. Und so sah ich mich selbst gefangen in meinen Zweifeln, obwohl diese Liebe, die so gar nicht weh tut, sondern leicht ist, vermutlich das Beste ist, das mit in meinem Leben je passiert ist.

Die Beziehung davor war geprägt von Aufs und Abs, von Streit und Versöhnungen, von Kämpfen und harter Arbeit, von dramatischen Szenen, die überwunden werden wollten, und am Ende auch überwunden werden konnten. Alles davon fühlte sich richtig an in dem Moment, in dem ich es erlebt habe. Es war Arbeit, doch immer, wenn die Arbeit getan war und wir uns nach schier endlosen Diskussionen und Kompromissen wieder ein Stück näher waren, fühlte ich mich gut.

All die Anstrengungen, die damit verbunden war, diese Beziehung am Laufen zu halten, hatten sich gelohnt – und ich hatte den Eindruck, so viel mehr „richtig“ gemacht zu haben als Paare, die bereits wegen vermeintlicher Kleinigkeiten das Handtuch warfen und sich trennten. Dass ich damit vollkommen falsch lag, wurde mir erst bewusst, als eine Trennung von meinem damaligen Partner unumgänglich wurde und ich meinen neuen Freund kennenlernte, der mir zeigte, dass Beziehungen auch ganz anders aussehen konnten, als ich sie bisher erfahren hatte.

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