Verzeih mir, ich war einfach noch nicht reif für dich

Manchmal bringt man einem wunderbaren Menschen viel zu spät die Wertschätzung entgegen, die er verdient gehabt hätte, weiß unser Gastautor Leon Reinhardts

Das mit uns ist längst Vergangenheit. Vielleicht würden wir uns heute auf der Straße gar nicht wiedererkennen. Viele Jahre liegt unser knallhaftes Auseinandergehen nun schon zurück; und wenn ich ehrlich bin, bin ich froh darüber, dass es nicht erst gestern passiert ist. Es brauchte viel, viel Zeit, um über dich und die ganzen Schmerzen hinwegzukommen, die wir uns am Ende gegenseitig zufügten.

Du sagtest „Whiskey mit Schuss“

Weißt du noch, wie wir uns trafen? Das war auf einer dieser BWLer-Partys an der Uni, auf die wir mit Kommilitonen gingen, weil unser eigener Fachbereich zu klein und unmotiviert war, um eigene und coolere Partys zu organisieren. Wir standen durch Zufall nebeneinander am Rand der Tanzfläche und haben den anderen zugesehen. Ich lud dich auf einen Longdrink für einen Euro ein und du sagtest wider Erwarten „Whiskey mit einem Schuss Cola“. Etwas später tanzten wir dann auch. Und noch später warst du die erste und einzige Frau in meinem Leben, die mich je abschleppen sollte. Wir teilten fünf Jahre lang die Liebe.

Das war eine gute Zeit mit dir, die beste meines Lebens. Wir waren nicht nur auf dem Papier jung, sondern wir lebten auch, wie junge Menschen leben, probierten vieles gemeinsam aus, konnten unsere riesige Neugier kaum stillen. Ich, der vom Land kam, nahm in der großen Stadt jede neue Erfahrung mit, die mich lockte. Ich war so sehr hungrig auf das Leben. Nur verlor ich dich leider bei all meinem Erlebnishunger zunehmend aus den Augen.

Ich wollte immer mehr davon

Ich war einer dieser Typen, die plötzlich erwachsen sind und doch im Herzen noch immer ein kleiner Junge. Ich konnte es gar nicht fassen, was mir das Leben alles bot; und sobald ich erst einmal davon gekostet hatte, wollte ich mehr. Immer mehr. Obwohl ich dich aufrichtig liebte, verlor ich mich irgendwann im fast täglichen Feiern gehen, Projekten, dem Unistoff und schließlich auch noch ganz anderen Stoffen. Richtig schlimm wurde es dann, als wir zusammenzogen, wie um die Risse zu nähen, die sich aufgetan hatten.

Am Ende des Studiums hast du dann jemand anders kennengelernt. Monatelang liefen wir zu dritt parallel nebeneinander her und du warst die einzige, die vom jeweils anderen wusste. Heute denke ich, das war deine intuitive Strategie, um das Beste aus beiden Welten zu bekommen. Den euphorischen Lebemann, den du noch nicht loslassen wolltest, und Mr. Safe, den du brauchtest. Aber das konnte nicht gut enden; und es endete wirklich nicht gut.


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