Ist es Liebe oder Abhängigkeit?

Stellen Sie sich auch manchmal die Frage: „Liebt er mich – oder braucht er mich bloß?“ Dann sind Sie nicht allein. André Martens über ein – nicht nur – männliches Phänomen

Männer und Beziehungen. Kein leichtes Thema. Vielen fallen Beziehungen ausgesprochen schwer. Sobald die Worte „Verbindlichkeit“ und „Verantwortung“ im Raum stehen, ziehen sie die Falltür hoch oder ergreifen die Flucht. Doch davon soll an dieser Stelle nicht die Rede sein. Denn es gibt noch einen anderen, sonderbaren Männer-Typus, der verbreiteter ist, als frau denken mag: den Abhängigen.

Eine Notlage des Herzens

Den Abhängigen zeichnet eine verquere Form von Hingabe aus. Hingabe, per se, ist das Salz in einer jeden Beziehung. Ohne sie geht es nicht. Das ist klar. Doch die Hingabe des Abhängigen erwächst nicht aus Liebe, sondern aus Bedürftigkeit. An sich ist auch an der Bedürftigkeit nichts verkehrt. Wir alle sind bindungs- und liebesbedürftige Wesen, selbst die schizoiden Eigenbrötler unter uns bis zu einem gewissen Grad. Doch die angesprochene Bedürftigkeit des abhängigen Mannes ist anderer Art.

Sie entspringt einer tiefen Angst, einer Notlage des Herzens. Nach außen vielleicht ganz der „Macher“ und „Autonome“, den unsere Gesellschaft normativ von ihm erwartet; im Inneren nicht der sprichwörtliche weiche Kern, sondern eher ein matschiger. Ein Teppich aus Leere, der sich auf eine gärende Angst gelegt hat.

Die männliche Angst vor Gefühlen

Ich weiß nicht, woher sie kommt, ob es schon immer so war oder ein Phänomen der letzten Jahrzehnte – aber die Angst vor einem freien Gefühlsausdruck beherrscht uns Männer, jeden natürlich zu einem unterschiedlichen Grad. Der Mut, die Forschheit, die Abenteuerlust, der unbedingte Wille nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung – all das steht auf der einen Seite.

Auf der anderen eine geradezu kindliche Angst vor Gefühlen. Diese werden zusammengeschnürt und weggesperrt, oder durch andere ersetzt, die dann nach außen hin den sensiblen Softie mimen, ohne doch den Kern dessen auszudrücken, worum es IHM eigentlich geht.

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