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Wenn aus Liebe Abhängigkeit wird

Emotionale Abhängigkeit ist ein weit gefasster Begriff. Gewisse Abhängigkeiten entstehen automatisch in jeder Beziehung und gehören in gewissem Maß sogar zu unserem Beziehungsideal

„Ich tue alles für dich“ / „Nur wenn es dir gut geht, geht es auch mir gut“. Gesellschaftlich gesehen ist Abhängigkeit in Beziehungen ein durchaus erwünschter Zustand, trägt sie doch nicht unerheblich zur Stabilität von Partnerschaften bei. Daher werden manche Formen der Abhängigkeit in einer Beziehung von Betroffenen auch als „normale“ romantische Liebe interpretiert. Emotionale Abhängigkeit entsteht meist nicht von heute auf morgen, sondern in einem längeren Prozess, in dessen Verlauf der eigene Wille zunehmend verloren geht. Besteht insgeheim die Überzeugung, dass Beziehungen aus einer Aufopferung oder gar Unterwerfung bestehen müssen, um von wahrer Liebe sprechen zu können, ist das gesunde Maß längst überschritten. Betroffene erkennen diesen Verlust der eigenen Autonomie häufig erst recht spät.

Was heißt eigentlich, in einer Beziehung emotional abhängig zu sein?

Unter „emotionaler Abhängigkeit“ versteht man ganz allgemein die gefühlsmäßige Bindung an andere Menschen in einem Maß, in dem die persönliche Freiheit aufgegeben wird. Betroffene haben in der Regel kaum soziale Kontakte und ihr Selbstbewusstsein speist sich ausschließlich aus der Fixierung auf den meist idealisierten Partner, was übrigens auch für diesen sehr belastend sein kann. Typisch für derartige Partnerschaften ist, dass sie nicht auf Gegenseitigkeit beruhen bzw. nicht gleichberechtigt erscheinen. Ein weiteres Merkmal ist, dass eine emotional abhängige Person sich nicht mehr aus eigener Kraft lösen kann und hilflos in dieser Abhängigkeit vom Partner verharrt. Betroffene passen sich an, tun alles für die Beziehung, unterdrücken dauerhaft eigene Wünsche, klammern sich an den Partner und gehen Konflikten aus dem Weg. Die Beziehung fühlt sich schal an, die Sexualität verliert zunehmend an Nähe.

Als eine mögliche Ursache emotionaler Abhängigkeit gilt unzureichendes Urvertrauen. Es mangelt also an Sicherheit und Vertrauen – Aspekte, die sich normalerweise in frühen Lebensjahren durch stabile, fürsorgliche und verlässliche Bindungen zu den dauerhaften Bezugspersonen ausbilden. Gut ausgeprägtes Urvertrauen stärkt das eigene Selbstwertgefühl, das Vertrauen auf andere Menschen und das Umfeld im Allgemeinen sowie auf die eigene Person. Ist die Bindung zu Bezugspersonen jedoch von Vernachlässigung, Ambivalenz, Unzuverlässigkeit oder gar Misshandlung geprägt, kann sich das Urvertrauen nicht angemessen ausbilden, was unter anderem auch Bindungsprobleme und den Hang zu emotionaler Abhängigkeit im Erwachsenenalter mit sich bringen kann.

Emotionale Abhängigkeit kann aber auch dadurch entstehen, dass in der eigenen Vergangenheit Ablehnung durch Personen erfahren wurde, die eine hohe Bedeutung für die eigene Person hatten. Infolge dessen werden Betroffene immer von der Sorge begleitet, erneut enttäuscht, verlassen oder abgelehnt zu werden – einziges Ziel ist dann, ein derartig negatives Gefühl zukünftig zu vermeiden.

Lösen aus der Abhängigkeit vom Partner

Wie können sich Menschen, die emotional abhängig sind, aus diesem Teufelskreis lösen und wieder mehr Autonomie und Selbstachtung gewinnen? Extreme Formen einer emotionalen Abhängigkeit vom Partner, insbesondere im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen (Beispiel Borderline), bedürfen in jedem Fall einer therapeutischen Intervention. Bei leichterer Ausprägung haben sich die folgenden Tipps bewährt.

So ist Betroffenen die eigene Abhängigkeit in der Beziehung oft gar nicht oder nur teilweise bewusst. Als hilfreich hat sich erwiesen, in regelmäßigen Abständen Bilanz über die eigene Zufriedenheit zu ziehen: Fühle ich mich wohl in dieser Beziehung? Bin ich glücklich? Fühle ich mich gleichberechtigt? Findet die Beziehung „auf Augenhöhe“ statt? Fühlt sich ein Partner eingeengt, müssen Kompromisse gesucht werden, die für beide akzeptabel sind. Partner von Betroffenen sollten auch (ehrlich) kommunizieren, dass Liebe besteht und die Angst, plötzlich und ohne Grund verlassen zu werden, unbegründet ist.

Der Wert der Eigenständigkeit und Selbstwirksamkeit

Besonders effektiv zur Überwindung emotionaler Abhängigkeit vom Partner ist der Aufbau und die Wiedererlangung persönlicher Eigenständigkeit. Kein leichtes aber auch kein unmögliches Unterfangen. Betroffene sollten sich (evtl. auch schriftlich) darauf besinnen, was sie ausmacht, was sie liebenswert und attraktiv macht. Darüber hinaus sollten wieder Aktivitäten aufgenommen werden, die gut tun und Erfüllung bringen (Hobbys, eigener Freundeskreis etc.). Zumindest anfänglich kann hier auch motivierend wirken, dass man sich dadurch auch für den Partner wieder attraktiver und begehrenswerter macht. Üblicherweise wird dadurch auch wieder das Vertrauen in die eigene Person gestärkt und Betroffene erfahren sich als selbstbestimmt und selbstwirksam.

Menschen, die unter emotionaler Abhängigkeit leiden, sollten sich auch immer wieder bewusst machen, dass emotionale Unabhängigkeit kein Widerspruch zu einer verbindlichen Paarbeziehung darstellt. Ganz im Gegenteil: Die eigene Individualität zu bewahren und nicht von der Bestätigung oder Anerkennung des Partners abhängig zu sein ermöglicht erst eine ehrliche, gesunde und dauerhafte Partnerschaft.

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Über den Autor/die Autorin

Markus Ernst

Der Diplom-Psychologe Markus Ernst führt in Hamburg eine eigene Praxis als Paartherapeut und psychologischer Gutachter. Außerdem ist er als Coach für Parship tätig.