Trennungen nicht akzeptieren: Warum wir Reisende nicht so einfach ziehen lassen können

Trennung akzeptieren oder kämpfen? Ein Beziehungs-Aus anzunehmen ist schwer, aber häufig die bessere Lösung, wenn man sich genau die Gründe ansieht, weshalb man an einer gescheiterten Partnerschaft festhalten möchte

Immer wieder erlebe ich Paare in der Beratung, von denen ein Partner eher eine Art Trennungsbegleitung wünscht als eine Paartherapie. Es ist leider nicht so selten, dass der Entschluss fürs Beziehungs-Aus bereits gefasst wurde, doch eben nur im Kopf und noch nicht ausgesprochen. Eine Trennung zu akzeptieren, fällt dann für den anderen Partner besonders schwer.

Woran liegt das? Ein Blick auf die vielen Gründe, weshalb Menschen trotz schmerzhafter Erfahrungen den Partner halten oder zurück haben wollen:

Man hat sich mit dem Leid arrangiert

Der Begriff „Komfortzone“ beschreibt in diesem Zusammenhang selten eine wirklich komfortable Situation, sondern eher ein reichlich ungemütliches System, in dem sich der Betroffene allerdings irgendwie eingerichtet hat. Häufig verharrt er dann so, weil er nicht glaubt, dass sich die Lage irgendwie oder irgendwann zum Besseren verändern könnte.

Der Grund dafür: Er hat sich ja mit dem Leid und Schmerz arrangiert. Der Gedanke dahinter kann sein, es könnte ja noch viel schlimmer kommen. Dieser Gedanke ist wie eine Fußfessel, die verhindert, dass der Betroffene überhaupt eine Alternative zum bisherigen Ertragen und Aushalten entwickeln kann. In extremen Fällen wollen sogar die Opfer von häuslicher Gewalt eine Trennung nicht akzeptieren, weil sie sich in einer emotionalen Abhängigkeit befinden.

Die Angst vor der Partnersuche

Die Fähigkeit des Menschen zur Anpassung ist phänomenal. Aber ebenso seine Fantasie. Was bei dem einen Zuversicht und Tatendrang auslöst, triggert beim anderen Angst und Panik. Werde ich jemals wieder einen Partner finden? Werde ich mein Leben lang allein sein müssen? Bin ich nicht zu alt und zu beschädigt für den Gebrauchtwarenmarkt der Singles da draußen?

Wer viele Jahre in einer Beziehung gelebt hat, der bekam von den Herausforderungen der Partnersuche vielleicht nur die schlimmsten Erfahrungsberichte völlig desillusionierter Singles mit. Und deren schlechte Erfahrungen mit Dating-Apps und missglückten Dates. Dass sich dann jeder vor der Partnersuche fürchtet, der sich kaum mehr daran erinnern kann, wie es ist, alleine auszugehen, ist mehr als verständlich.

Das Neue löst Panik aus

Wird es nach einer schmerzhaften Beziehung wirklich immer besser? Es gibt die Personen, die sich schnell auf eine neue, liebevollere Partnerschaft freuen. Doch erst einmal fühlen sich viele Menschen wie halbiert, sie stolpern ohne Stützen durch den Alltag und haben den Eindruck: Das ist ja alles noch viel schlimmer, als ich es mir vorgestellt habe. Aus dieser Position der Schwäche heraus sehnen sie sich nach einer möglichst starken Person – aber die scheint häufig nur selbstbewusst zu sein und eine starke Schulter zu haben. Meist gibt sie sich nur so, um eigenen Schmerz und einen verletzten Selbstwert zu überspielen. Die daraus entstehende Dynamik ist selten glücklich. Das Fiese dieser Dynamik: Wer Angst vor dem Neuen hat, sucht sich dadurch ziemlich sicher genau den Partner, bei dem die Angst berechtigt ist.

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