Trennungen nicht akzeptieren: Warum wir Reisende nicht so einfach ziehen lassen können

Der Wunsch, nicht zu versagen

Wir führen heute sehr viele Beziehungen – und gleichzeitig soll uns jede Beziehung größtmögliche Sicherheit geben. Durch diesen hohen Anspruch wird jede Trennung als Versagen erlebt, während wir gleichzeitig die Bilder glücklicher Paare auf Instagram sehen. Der Gedanke liegt dann nahe, dass man offensichtlich etwas nicht schafft, das anderen sehr wohl ganz gut gelingt.

Menschen, die so empfinden, die geben nicht einfach auf, sie kämpfen um ihre Beziehung. Allerdings objektiv betrachtet kämpfen sie nicht wirklich um den Partner, sondern eher um das Gefühl, mithalten zu können und um nicht den Schmerz ertragen zu müssen, gescheitert zu sein. Es geht ihnen also darum, den verletzten Selbstwert durch ein Erfolgserlebnis zu heilen. Obwohl objektiv betrachtet dieses angestrebte Erfolgserlebnis nichts weiter darstellt, als zurückzukehren in die ja offensichtlich unglückliche Beziehung.

Eine Frage des Stolzes und der Ehre

Hier geht es weniger um Versagensangst, sondern um die Wirkung, die das Scheitern auf die Außenwelt haben könnte. Grund sind häufig archaische Wertevorstellungen. In den letzten Jahren haben Gewalttaten von Männern in ganz Europa zugenommen, die ihre Frauen nach einer Trennung körperlich angegriffen, misshandelt, verletzt, entstellt oder sogar ermordet haben. Keine Frage, das hat weder mit Liebe noch mit Ehre zu tun. Ganz im Gegenteil: Solche Menschen haben einen gefährlich niedrigen Selbstwert, der nur erhöht werden kann, wenn sie andere erniedrigen.

Die Sache mit dem Bindungsverhalten

Manche Menschen sind überzeugt, Liebe müsse erst verdient werden. Erleben diese einen Partner, der sich zurückzieht, dann wird ihr Bindungssystem aktiviert und sie beginnen, sich um diesen zu bemühen. Manche sind dabei kreativ und liebenswürdig, andere sind verzweifelt und nehmen sogar in Kauf, sich selbst ganz aufzugeben für ihr Ziel.

„Liebe darf alles“ oder „Ich kenne meinen Ex besser als er sich selbst und er liebt mich“ sind typische Sätze, die aus dem durchaus berechtigten Bemühen, eine Beziehung zu retten, einen Kreuzzug machen, der keine Gewinner haben kann. Dysfunktionale Verhaltensweisen wie Stalking und Psychoterror sind die Folgen.

Weil man zu viel investiert hat, um jetzt aufzugeben

Sie spielen seit Jahren Lotto, haben nie mehr als ein paar Euro gewonnen, aber irgendwie können Sie nicht davon lassen? Dann rechnen Sie – wie viele andere Menschen – auf, was Sie bereits investiert haben. Und je höher diese Summe ist, umso schwerer fällt es, diese ganz und gar abzuschreiben. Diese „Logik“ findet auch in Beziehungen Anwendung. Dabei, um im Bild zu bleiben, verbrennen Sie nur einfach weiterhin Ihr Geld, ohne Aussicht auf ein „Return of Investment“.


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