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Ich konnte nicht anders: Ist Betrug am Partner einfach nur Willensschwäche?

Es tut bereits schrecklich weh, betrogen zu werden. Noch schlimmer wird es aber, wenn der Betrügende versucht, sich herauszureden

„Ich konnte nicht anders …“ „Es überkam mich einfach so, ich bin schwach geworden …“ „Ich bin da in etwas hineingeraten …“ „Ich wollte es ja gar nicht, aber dann ist es halt passiert …“ Es gibt ein trauriges Phänomen: Menschen, die sich selber als monogam bezeichnen und, wenn man sie fragt, Treue großschreiben, die ihre/n Partner/in aber trotzdem betrogen haben oder gar regelmäßig betrügen. Vermeintlich treuherzige Menschen, die für etwas Spaß und Triebbefriedigung ihre Beziehung aufs Spiel setzen und in Kauf nehmen, dem Anderen maximal wehzutun. Ich stelle mir da die Frage: Ja, konnten sie denn wirklich nicht anders?

Meine Antwort lautet: Das sind alles faule Ausreden.

Kann man den Betrug am Partner erklären?

Wer seine/n Partner/in betrügt und es auf den Alkohol, die Stimmung, die Reize des Gegenübers, eine schwierige Lebenssituation, oder was es sonst noch an „Erklärungen“ geben mag, schiebt, tut genau eine Sache: Verantwortung abschieben. Er oder sie steht nicht zum eigenen Verhalten und dessen Konsequenzen. Man macht es sich bequem. Man bestellt sich zwei Eisbecher und der Partner geht leer aus.

Wer noch ein bisschen Respekt vor seinem Partner hat, würde wenigstens Reue zeigen, Bedauern, den Fehler auch deutlich als solchen benennen. Und gegebenenfalls die partnerschaftliche Reißleine ziehen und offen eingestehen, dass der Betrug zeigt, dass die Beziehung im Prinzip längst kaputt ist und die Zeichen auf Trennung stehen (was den Betrug und die verursachten Schmerzen freilich in keiner Weise legitimiert). Traurig, aber immerhin ehrlich.

Die Person erkennt in diesem Fall wenigstens implizit an, dass sie tatsächlich etwas getan hat und ihr nicht einfach etwas widerfahren ist. Wer sich aber in Ausreden flüchtet, zeigt definitiv keinen Respekt.

Fantasie und Tat sind nicht dasselbe!

Natürlich gibt es auch so etwas wie Betrugsfantasien oder das Gefühl, dass einem etwas in der eigenen, im Prinzip glücklichen, Beziehung fehlt. Glaubt man Umfragen, so ergeht es durchaus vielen Menschen so. Manch einer hat sich bestimmt schon mal die Frage gestellt, wie es wohl wäre, von einem anderen Kuchen zu kosten.

Ganz klar: Eine eingeschlafene oder aus dem Takt geratene Beziehung nährt solche Fantasien. Ich will keine Fantasie oder Impuls verteufeln. Ich bin der Ansicht, dass Fantasien und Impulse als solche zunächst einmal weder gut noch schlecht sind. Tatsächlich hat alles seine Ursachen und seinen Sinn. Aber eines glaube ich eben nicht: dass aus einer Fantasie eine Tat werden muss. Dass man nicht anders konnte. Dass es eben einfach passiert sei. Das ist feige.

Noch absurder wäre wohl lediglich folgender Fall: Jemand behauptet, zeitweise vergessen zu haben, sich in einer – monogamen – Beziehung zu befinden und das Eine, der Betrug, habe nichts mit dem Anderen, der Partnerschaft, zu tun. Auch solche „Argumentationen“ soll es ja geben …

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Über den Autor/die Autorin

André Martens

André Martens ist Philosoph und Psychologe. Er schreibt leidenschaftlich gern - nicht zuletzt über die Liebe. Ob wir uns diesem Phänomen mit Worten tatsächlich annähern können, ist seine große Lebensfrage. Und solange er die Antwort nicht kennt, schreibt er fleißig weiter.