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Die Mauer des Schweigens durchbrechen

Verlustangst lässt introvertierte Menschen häufig bei Konflikten im Schweigen erstarren. Dadurch sind sie für den Partner emotional nicht mehr erreichbar. Jonathan Bern ist einer dieser Menschen. Er will die Mauer des Schweigens endlich einreißen

Ich bin eher ein introvertierter Mensch. Ich fühle mich meistens nicht wohl in einer Gruppe. Wenn es sich beruflich nicht vermeiden lässt, vor Kollegen oder Kunden aufzutreten, dann muss ich mich verstellen. Ich spiele die Rolle, die man von mir erwartet, auch wenn es mich viel Kraft kostet. So habe ich es gelernt: Nach außen den Schein zu wahren, um sich gesellschaftlichen Normen anzupassen. Es erleichtert sicher den Alltag, macht aber auf Dauer unglücklich und depressiv.

Ich verhielt mich instinktiv falsch

Leider sammelte ich in meinen Beziehungen ähnliche Erfahrungen. Ich hatte nie gelernt, mit gewissen Gefühlen umzugehen, geschweige sie zu äußern. Wie sollte ich meine Wut, meinen Frust, den Ärger ausdrücken? Ich verhielt mich instinktiv falsch und ergriff jedes Mal die Flucht, als ein Streit sich ankündigte. Statt zumindest zu versuchen zu erklären, was mich störte, schwieg ich meistens. Manchmal eskalierten die Gespräche und ich verletzte meine Partnerin bewusst, wenn auch nur verbal. Wenn beide sehr harmoniesüchtig sind, versöhnt man sich relativ schnell wieder. Immer öfters hinterließen diese Auseinandersetzungen tiefe Narben.

Das Schlimmste für mich war damals, dass die Work-Life-Balance nicht mehr stimmte. Unzufrieden im Job, unglücklich zuhause, alles in mich hineinfressen und mich passiv-aggressiv verhalten. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich alle Warnzeichen ignoriert habe. Keine Schwäche zeigen, nicht zugeben, dass man sich nur noch hilflos fühlt und sich keine Hilfe holen. In der heutigen Zeit klingt es trendy, von Burn-out zu sprechen. Ich finde, Depression trifft besser zu. Keine falsche Scham empfinden und die Realität akzeptieren. Auch diese Trennung ließ sich irgendwann nicht mehr vermeiden, wir waren beide am Ende unserer Kräfte. Beruflich konnte ich einiges ändern, um den Stress zu reduzieren. Ich habe erkannt, dass ich Grenzen setzen musste. Ich habe Jahre gebraucht, um mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden.

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Über den Autor/die Autorin

Jonathan Bern

Jonathan Bern ist teils in Deutschland und teils in Frankreich aufgewachsen. Seine Wahlheimat bleibt Nizza, wo er mit 17 auf die merkwürdige Idee kam, einen Magister in Germanistik zu machen. In dieser Zeit schrieb er einen Artikel für die renommierteste französische Zeitung "Le Monde" und beschloss Journalist zu werden. Die Zeitung, bei der er einen Job fand, musste nach einem Jahr Konkurs anmelden und so landete er bei einer Airline, um seine Miete zu zahlen. Seitdem träumt er davon, irgendwann ein Buch zu schreiben..