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Auch trennen will gelernt sein

Ich war 16, als ich meine erste Beziehung einging. Eine Partnerschaft, die 15 Jahre lang andauerte. Dadurch habe ich etwas ganz Wichtiges verpasst: die Mechanismen einer Trennung zu erlernen

Wenn es um Ratschläge und Hilfestellungen zur Liebe und Partnerschaft geht, erfährt man meist vor allem, was man alles tun sollte oder nicht tun sollte, wenn man seinen Partner behalten will. Wenn es nicht mehr passt, heißt es oft lapidar: Dann trenn dich! Ja, aber wie macht man das eigentlich, sich trennen? Denn nicht nur dann, wenn man eine Partnerschaft dauerhaft führen möchte, braucht es Erfahrungen, Techniken des Umgangs miteinander usw., die man erst erlernen muss. Es ist auch wichtig, dass man sich trennen kann, wenn es nicht mehr geht.

Um diese wichtigen, vielleicht sogar lebenswichtigen, Skills zu lernen, dazu ist normalerweise die Teenagerzeit da. Wer als junger Mensch nie eine Trennung erlebt hat, nachdem man zwei Wochen oder zwei Monate zuvor die „Liebe seines Lebens“ kennenlernte, dann hat man kein einziges Werkzeug zur Hand, wenn es später einmal ernst wird und man in einer toxischen Beziehung steckt, die man verlassen muss. Auch wenn einem in jungen Jahren jedes Mal fast das Herz zu brechen scheint, ist eine Trennung in der Zeit vergleichsweise einfach und unkompliziert. Man hat noch keine jahrewährende Bindung entwickelt und muss weder eine Wohnung auflösen noch sich um gemeinsame Kinder kümmern. Doch was, wenn einem diese Erfahrungen schlicht fehlen?

Meine erste Beziehung begann ich mit 16 Jahren mit meiner damaligen besten Freundin (Hier könnt ihr den Beitrag dazu lesen). Aus Freundschaft wurde sexuelle Anziehung und damit wohl auch Liebe. Und weil es die beste Freundin war, war das Thema Trennung für mich von Anfang an ein Ding der Unmöglichkeit. Die beste Freundin verlieren, das konnte ich nicht. Und so gingen viele Jahre ins Land. Wir beendeten die Schule zusammen, begannen unser Studium und schließlich unser Arbeitsleben. Es gab viel Streit, es gab Gefühle der gegenseitigen Abhängigkeit, schließlich kam das Problem hinzu, dass ich mich einfach deutlich mehr zu Männern als zu Frauen hingezogen fühlte. Sich aber zu trennen, blieb eine unmöglich scheinende Herkulesaufgabe für mich. Obwohl die Beziehung mir – und sicher auch ihr – schon lange nicht mehr gut tat. Ich arbeitete zwar an der Universität an einer Doktorarbeit und unterrichtete Studenten in Philosophie, aber wie ich mich trennen sollte, das wusste ich nicht. Am Ende, nach 15 Jahren, zog sie aus unserer gemeinsamen Wohnung aus – der Leidensdruck war schier unerträglich geworden. Nicht ich habe mich „getrennt“, obwohl ich es für meine psychische Gesundheit schon längst hätte tun müssen.

Seit dem weiß ich, wie wichtig es für einen jungen Menschen ist, nicht nur zu lernen, wie man eine Beziehung pflegt, wie man Kompromisse eingeht, der geliebten Person Freiheiten zugesteht und auch selbst innerhalb einer Partnerschaft seine Unabhängigkeit bewahrt – nein, es ist genauso wichtig, früh zu lernen, nicht nur wann man die Reißleine ziehen sollte, sondern auch wie.

Warum eine Beziehung manchmal doch noch eine Chance verdient? Lies hier!

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Über den Autor/die Autorin

Katharina Reinecke

In ihrer Studienzeit als Philosophin hat Katharina Reinecke in Berlin nicht nur ein theoretisches Leben gelebt, sondern in der Liebe auch praktisch alles ausprobiert – nichts Menschliches ist ihr fremd. Weil sie trotzdem an die große Liebe glaubt, startete die Lektorin und Autorin 2017 in das Abenteuer Ehe – und nun auch noch als geborene Städterin in das Projekt Landleben.