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„Du denkst einfach zu viel“ – Warum zu viel nachdenken nicht immer hilfreich ist

Es gibt Menschen, die denken sehr viel nach. Oft über ein und dieselbe Sache. Problematisch wird es, wenn in einem Gespräch (oder einer Beziehung) unterschiedliche „Bedenkzeiten“ aufeinander treffen. Oder wenn aus konstruktivem Nachdenken unproduktives Herumdenken wird. Wie sich das stoppen lässt, weiß beziehungsweise-Autorin Kirsten Schwieger

Ich muss zugeben, die Worte nagen immer noch an mir. Noch Jahre nachdem ein Uni-Professor in einer mündlichen Prüfung zu mir gesagt hat „Erst denken, dann reden!“ überkommen mich Schamgefühle, wenn ich daran denke. Das passiert meistens in ähnlichen Situationen, wenn ich das Gefühl habe, vorschnell geantwortet zu haben.

Dennoch bin ich der Meinung, dass man differenzieren sollte. Zwischen folgenschweren Antworten auf wichtige oder tiefgründige Fragen und Repliken, die eine Konversation am Laufen halten. Denn nichts ist schlimmer als ein Gesprächspartner, der einen mitten im Gespräch hängen lässt, weil er in seinen hintersten Gehirnwindungen nach der perfekten Antwort sucht. Zu viel Nachdenken kann für das Gegenüber irritierend sein.

Du denkst einfach zu viel – und zu langsam

Obwohl, ich muss mich korrigieren: Es geht schlimmer. Und zwar, wenn man mit solch einem Gesprächspartner eine Liebesbeziehung führt. So trafen bei mir und meinem Freund diesbezüglich zwei Welten aufeinander. Ich schlagfertig und schnell, er tiefgründig mit extrem laaaaaangen Antwortzeiten. Noch heute bin ich mir manchmal nicht sicher, ob ein Gespräch weitergeht oder er durch eine meiner Fragen auf so komplexe Sachverhalte gestoßen ist, die er erstmal gedanklich sortieren muss. Da er damit dann sofort beginnt, gibt es leider auch nie eine diesbezügliche Info. Manchmal kommt dann allerdings, Minuten später (wenn ich mich schon längst anderen Dingen zugewandt habe), plötzlich doch noch eine Antwort. Konversation interruptus, sozusagen.

Schön ist das nicht: Das lange Nachdenken und die langen Antwortzeiten

Erst recht nicht, wenn man die plötzliche Stille und gedankliche Abwesenheit persönlich nimmt. Ein Fehler, den man besser nicht begeht. Auch gemeinsame Entscheidungen werden durch dieses immens gründliche Durchdenken nicht gerade erleichtert. Ob wir Sonntag auf ein Glas Wein bei Freunden vorbeikommen wollen? „Klar, wir haben Zeit und die beiden schon lange nicht mehr gesehen“, kommt es von mir wie aus der Pistole geschossen. Doch mein Freund braucht noch Bedenkzeit. Dann ginge Kino ja schon wieder nicht. Und was, wenn die Freunde uns nach einem Glas rausschmeißen? Dann ist der Abend angebrochen, für Kino ist es aber schon zu spät. Zu viel Wein wäre allerdings auch nicht gut, weil ja Montag eventuell XY angedacht war … HALLO, geht’s noch!?

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Über den Autor/die Autorin

Kirsten Schwieger

Kirsten Schwieger ist freiberufliche Journalistin und findet, dass auch Mutterliebe die Hormone ganz schön zum Tanzen bringt.