Die Krankheit hat dich verändert

Diagnose Borderline-Störung: unser anonymer beziehungsweise-Leserin hat für seine Partnerin alles gegeben, aber ihre Krankheit war am Ende stärker als die Liebe

Du hast von Tag zu Tag immer wieder versucht über mich zu bestimmen. Das ging soweit, dass du mit meinem bevorstehenden Berufswechsel nicht einverstanden warst, weil er nicht deiner Vorstellung entsprach. Und doch habe ich ihn vorgenommen, um uns (und damit auch dich) weiterhin finanziell über Wasser zu halten und außerdem wollte ich mich weiterentwickeln. Warum du nicht damit klar kamst, wusstest du selbst nicht.

Ich versuchte mit dir gemeinsam einen Weg zu finden und der beste Weg schien professionelle Hilfe für dich. Wir erkundigten uns nach einer Klinik. Von heute auf morgen gingst du nach langem Zögern hin – auf eine unbestimmte Zeit. Dort wurde eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung bei dir diagnostiziert: Borderline.

Von nun an hast dich nur noch selten gemeldet und dir wurde dein altes Leben völlig egal. Aus den Augen, aus dem Sinn. Nun sitzt du in der Klinik und dein Hund und ich warten zuhause auf dich. In der Hoffnung, dass du („geheilt“) wiederkommst. Du möchtest allerdings nichts mehr von uns hören oder wissen.

Nach drei Jahren, von heute auf morgen, sind wir dir gleichgültig geworden, obwohl wir jede deiner schlechten Lebensphasen zusammen gemeistert haben, an deiner Seite standen und deine Launen miterlebt haben. Nun, wo wir auf dich hoffen, gibst du uns weiterhin die Schuld für die aktuelle Situation und genießt es einen Alltag zu haben, in dem du keinen finanziellen Druck oder Termine hast. Genau das, was ich versucht habe dir seit drei Jahren bei mir zu ermöglichen.

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