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Freundschaft plus (F+) vs. offene Beziehung

Freundschaft Plus und offenen Beziehung – auf den ersten Blick haben die beiden Modelle eins gemeinsam – den Verzicht auf ein sexuelles Exklusivrecht. Doch Bereits das Wording „Beziehung“ vs. „Freundschaft“ verdeutlicht die Unterschiede innerhalb des sozialen Beziehungsgefüges. Doch was eignet sich für wen?

Die Freundschaft plus z. B. klingt nach einer spannenden Alternative für Menschen, die wenig Bock auf romantische Verpflichtungen, aber dafür im wahrsten Sinne des Wortes auf „Netflix&Chill“ haben. Schließlich verbringen wir mit unseren Freunden auch gern stundenlang Zeit auf der Couch und schauen Serien: entspannt, gelassen, unterhaltsam. Darüber hinaus noch etwas Spaß in der Kiste zu haben, klingt wie das Premium All inclusive (nicht nur) Sonntag-Abend-Paket. Daher unterscheidet sich die Freundschaft + von der Affäre insofern, dass sie nicht erst vor Kurzem entstanden ist und sich bereits in einem sehr vertrauten, vielleicht sogar intimen Rahmen bewegt. Darüber hinaus ist dieses Modell nicht darauf ausgelegt, in einer Beziehung zu enden, sondern stellt eher eine Art Übergangslösung dar. So hart es klingt, aber die F+ erinnert eher an einen kuscheligen Lückenfüller, der so lange interessant ist, bis dann letztlich doch der passende Partner auf der Bildfläche aufkreuzt.

Aber auch Freundschaften fallen nicht vom Himmel

Allerdings habe ich in diesem Kontext ein Problem mit dem Begriff „Freundschaft“, denn eine Freundschaft besitzt für mich die prädikate Vertrautheit und „Langatmigkeit“, was bedeuten soll, dass es sich hierbei um eine feste Verbindung handelt, die völlig außerhalb des sexuellen Begehrens entstanden ist und bereits auf eine gemeinsame Vergangenheit hinweist.

Eine offene Beziehung hingegen hat zumindest laut Definition mit anderen Rahmenbedingungen zu kämpfen, denn hier geht es zudem noch um Gefühle, es ist ja auch eine „Beziehung“ und da kommt dann der Faktor Eifersucht spätestens nach geraumer Zeit, bei dem einen mehr und der anderen weniger, zum Tragen. Hier geht es um eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich (im besten Fall) gleichermaßen lieben und einen gemeinsamen Alltag, jedoch ohne monogamen Charakter, bestreiten wollen.

Warum Männer gegenüber einer F+ offener sind als einer offenen Beziehung

Vielleicht, weil ein freundschaftliches Etikett auf den ersten Blick weniger bedrohlich und besitzergreifend wirkt. Die Illusion von Sicherheit. Beide Parteien haben weniger emotionale Verpflichtungen und sind erst recht nicht eifersüchtig… sollte zumindest so sein. Zugegeben, es wäre etwas einfach zu sagen, dass Männer sich generell einfach weniger gern romantisch festlegen und eine Affäre mit freundschaftlichen Zügen suchen, sozusagen mit Kumpel-Charakter. Kann es vielleicht auch sein, dass wir Frauen insgeheim (oder recht offensichtlich, kommt auf die Dame an) romantische Erwartungen an unsere Affäre haben und trotz unverbindlichem Sex oftmals in alte Rollenbilder rutschen? Uns verführen lassen, erobert werden und begehrt fühlen wollen?

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Über den Autor/die Autorin

Nadine Primo

Nadine studierte nach dem Abitur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn Romanistik und Geschichte (Bachelor of Arts) und Internationale Geschichte der Neuzeit (Master of Arts). Aktuell arbeitet sie als Recruiterin und freie Autorin in Berlin, um genug Zeit für ihre Recherchen und Gedanken zu haben und sich ihr Kreativsein zu finanzieren. Das Reisen ist eine ihrer größten Leidenschaften, ebenso wie die Malerei, Literatur, Philosophie und (Kultur-)Geschichte. Als bisexuelle Frau teilt sie auf ihrem Blog und Instagram persönliche Erlebnisse sowie rastlose Gedanken und spricht über (Bi-)Sexualität, (offene) Beziehungen, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit.