Polyamorie – Das Gegenteil der Monogamie?

Polyamorie. Ein Beziehungskonzept, das früher eher ein paar Alt-Hippies vorbehalten schien, taucht heute immer häufiger in Publikationen und sozialen Medien aus. Unsere Autorin Nadine Primo hat schon Erfahrungen mit offenen Beziehungen gemacht und da scheint der Weg zur Polyamorie nicht mehr weit zu sein

Seitdem ich in Berlin unterwegs bin, treffe ich immer mehr auf Gleichgesinnte und ab und an sogar Vorbilder, zumindest was den Umgang mit Liebe betrifft. Denn hier scheint Polyamorie bereits ein allseits bekanntes und ausprobiertes Konzept zu sein. Irgendwie inspirierend. Polyamour habe ich beispielsweise noch nie gelebt, stelle ich mir auch vergleichsweise aufwendig und fordernd vor. Eine wunderschöne Vorstellung von Liebe und (offener) Partnerschaft. Wer würde es verneinen, wenn er die Möglichkeit bekäme, die gleiche große Liebe von zwei, oder sogar drei Menschen zu empfangen? Kaum einer. Aber wer würde freiwillig zustimmen, dem Geliebten eine weitere ebenbürtige Liebschaft zuzugestehen? Wahrscheinlich die Wenigsten, zumindest im ersten Moment… wobei, im zweiten vielleicht auch nicht unbedingt. In Berlin traf ich bereits einige Menschen, sei es im Alltag oder über Dating Apps, die mir von ihrem polyamouren Erfahrungen oder aktuellen Partnerschaften – ja, Plural – erzählten.

Definitionstechnisch empfiehlt Wikipedia folgenden Rahmen: „Polyamorie oder Polyamory bezeichnet eine Form des Liebeslebens, bei der eine Person mehrere Partner liebt und zu jedem einzelnen eine Liebesbeziehung pflegt, wobei diese Tatsache allen Beteiligten bekannt ist und einvernehmlich gelebt wird.“ Eine schöne Illusion, weicht sie doch so sehr von dem ab, was wir tagtäglich vorgelebt (Familie/Umfeld) und suggeriert (Filme/TV/Zeitschriften) bekommen.

Das eröffnete mir definitiv noch einmal einen neuen weitreichenderen Blick auf die Dinge und ich muss sagen: Der gefällt mir… sehr sogar.

Aber was genau macht Polyamorie eigentlich aus?

Gibt es für dieses Konzept feste Regeln, ebenso wie für Monogamie? Nur halt das Gegenteil.. quasi? Wie viele Menschen sind an einem polyamoren Beziehungskonstrukt beteiligt? Gibt es so etwas wie Besuchsrecht oder festgelegte Zeitrahmen, die man dem jeweiligen Partner zugestehen muss? Wer bekommt Sonderrechte und gibt es sowas überhaupt? Zum Beispiel für denjenigen, der zuerst da war?

Fragen über Fragen und am Ende die Erkenntnis: Es gibt auch hier nicht auf alles eine allgemeingültige Antwort, denn letztlich muss jedes Paar für sich entscheiden, wie es seinen Beziehungsrahmen gestaltet und wer alles daran teilhaben darf. Der limitierende Faktor ist letztlich die Zeit.

Es existiert kein Exklusivrecht

Polyamorie bietet uns also die Möglichkeit, wie der Name schon sagt, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben und dementsprechend existiert kein Exklusivrecht. Dafür gibt es innerhalb dieses Konzepts sogenannte Beziehungshierarchien, d.h. das neben einer Primärbeziehung auch Sekundärbeziehungen bestehen können. Einfacher ausgedrückt: Das „Ausgangspaar“ stellt in diesem Fall die Primärbeziehung dar, die langjährige romantische Affäre, z.B. der Frau, ihre Sekundärbeziehung. Natürlich können auch beide ein Verhältnis mit der Affäre haben, vielleicht ist diese Liebe sogar gleichwertig und sie führen bereits eine Beziehung zu Dritt. Oder aber es handelt sich ausschließlich um eine Affäre, die nicht vollends im Alltag des Paares integriert ist und somit in der Beziehungshierarchie automatisch weiter unten eingestuft wird. Eine Sekundärbeziehung eben, wie der Name schon bereits sagt.

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