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unerhört: Warum kann ich mich nicht trennen?

Unsere Themen in dieser Woche: Ich will nicht länger die Affäre sein. Warum kann ich mich nicht trennen? Und: Er ist so unreif. Hat das eine Zukunft?

Frage:
Ich will nicht länger die Geliebte sein. Wie kann ich die Affäre beenden?

In den letzten Monaten sind ein Kollege und ich uns menschlich und körperlich sehr nah gekommen und wir teilen inzwischen alles. Nur hat die Beziehung einen großen Haken: Wir waren beide in Beziehungen. Er ist verheiratet und hat außerdem ein Kind. Ich habe mich mittlerweile getrennt, aber für ihn bleibt dieser Schritt wohl zu groß. Er lebt in zwei Welten. Und lässt mich im Glauben, dass seine Ehe eigentlich kaputt ist, er aber wegen seines Sohnes bleibt. Alle seine Worte wie „Ich möchte aber kein Scheidungskind“ oder „Ich muss doch meiner Ehe eine Chance geben“ kann ich nicht mehr ernst nehmen. Denn nach diesen Aussagen passiert nichts. Er unternimmt meiner Meinung nach nichts, um seine Ehe zu retten. Er lebt dort einfach so weiter. Und auch wenn ich sehr viel Kraft und Sitzfleisch habe, komme ich immer an Punkte, an denen ich ihm alles vor die Füße werfen möchte. Weil es mich so nervt nicht weiterzukommen. Aber ich tu es nicht. Warum kann ich mich nicht trennen?

bzw. Antwort:
Ein Partner, der sich nicht entscheiden kann, hält Sie immer nur für eine Option

Sie haben das Problem sehr treffend formuliert: „Er lebt einfach dort weiter“. Ihr Kontakt hat mehrere Optionen und eine davon wäre, seine Ehe zu retten, eine andere, eine neue, verbindliche Beziehung mit Ihnen einzugehen. Aus der Ferne lässt sich nicht beurteilen, warum er keine dieser Optionen wählt. Näher betrachtet gibt es aus seiner Perspektive noch weitere Optionen: Seine Frau verlässt ihn. Sie verlassen ihn. Vielleicht gibt es sogar noch mehr Optionen, beispielsweise falls er eine oder mehr weitere Affären hat.

Sie könnten nun gemeinsam eine Beratung aufsuchen, um alle Optionen zu überprüfen. Meine Vermutung ist jedoch, dass ein Mann, der seine Ehe nicht zu retten versucht, durch eine Beratung kaum externe Hilfe für die Rettung seiner Affäre suchen wird. Diese Formulierung ist vermutlich schmerzhaft für Sie. Ich denke, Sie sollten bei diesem Schmerz, den Sie empfinden und erleben, ansetzen. Denn was ist der Grund, weshalb Sie an diesem Schmerz festhalten? Sie sind in einer Beziehung, die nach Ihrer Einschätzung keine Zukunftsperspektive aufweist. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Aus der Erfahrung möchte ich Ihnen aber ans Herz legen, sich selbst zu schützen und nicht ihn, sondern sich selbst zu Ihrer ersten Priorität zu machen. Denn solange Sie sich an ihn gebunden fühlen, werden Sie keine neue Beziehung zulassen können. Und haben Sie nicht ebenso eine Partnerschaft verdient, in der Liebe gemeinsam gelebt wird? Und ist ein Mann, der diese Entscheidung nicht treffen kann / möchte, wirklich der Partner an Ihrer Seite, wie Sie ihn sich wünschen?

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Frage:
Mein unreifer Freund erfüllt mir einen wichtigen Wunsch nicht. Hat die Beziehung eine Zukunft?

Mein älterer Freund und ich sind seit mehreren Jahren zusammen. Der Beginn der Beziehung war sehr nervenaufreibend, weil er sehr unreif war und ich in seiner Prioritätensetzung ganz weit unten kam. Wir haben uns sehr viel gestritten und mehrfach getrennt, da ich sehr oft enttäuscht wurde. In einer unserer Trennungsphasen (die nie länger als einige Tage dauerten) war er weg, hat mit einer anderen Frau Nummern getauscht und sehr eindeutig geschrieben. Zum Schluss ist er auch zu ihr gefahren. Zunächst gab er nur den Kontakt zu, verneinte jedoch, dass er bei ihr gewesen sei. Als ich jedoch einen eindeutigen Screenshot fand, gab er alles zu. Das ist natürlich ein sehr großer Vertrauensbruch. Mittlerweile ist er charakterlich ein sehr angenehmer Mensch geworden, mit der Fähigkeit sich selbst zu reflektieren und unsere Kommunikation ist deutlich besser geworden. Auch hat er sein damaliges Verhalten gut und logisch erklären können. Er habe einfach einen lockeren Kontakt gesucht und Bestätigung, da wir uns so viel gestritten haben. Allerdings hat er mich diesbezüglich angelogen, da er verneinte, bei ihr gewesen zu sein. Deshalb ist das immer wieder Thema bei mir und es führt häufig zu Diskussionen und auch Streitigkeiten. Es ist einfach sehr schwer, damit abzuschließen und als ich ihn darum bat, den Kontakt noch mal zu ihr zu suchen, damit ich von ihr bestätigt bekomme, dass dort nichts lief, sagte er, dass er das nicht tun werde und sein Wort mir reichen sollte. Kognitiv verstehe ich seine Reaktion, emotional hingegen überhaupt nicht, da es mir ja helfen würde. Er ist der Meinung, er ist zu einem besseren Menschen durch mich geworden. Das klingt sehr positiv – trotz bestehender Problematik. Ich jedoch habe Angst, dass es niemals aufhört und diese Beziehung zum Scheitern verurteilt ist.

bzw. Antwort:
Sie haben ein Ungleichgewicht in Ihrer Beziehung, das Sie verändern sollten

Sie beschreiben einen Wandel Ihres Partners in seinen Verhaltensweisen und seiner Kommunikation, Sie formulieren diese sehr positiv – allerdings fällt mir auf, dass diese „Verbesserungen“ sich in allen Bereichen um Ihre Erwartungen, Ihre Ansprüche und auch Ihr Urteil handelt. Möglicherweise ist das nicht so gemeint, doch beim Lesen Ihrer Beschreibung drängt sich der Eindruck auf, dass Sie Ihren Partner in den vergangenen Jahren nach Ihren Vorstellungen geformt haben. Aus einem „unreifen, wenig reflektierenden Mann – der einige Jahre mehr Lebenserfahrung besitzt als Sie – zu einem „charakterlich sehr angenehmen Menschen“, der „sich erklärt“.

Nun erleben Sie, dass Ihr Partner Ihrem Willen nicht folgen möchte. Unabhängig davon, ob sein Verhalten eine gute Entscheidung war, ist es möglich, dass es nicht um den beschriebenen Konflikt geht, sondern darum, dass Sie Ihren Wunsch nicht durchsetzen können – und was das für Sie und Ihre Bewertung Ihrer Beziehung mit Blick auf die gemeinsame Zukunft bedeutet?

Vielleicht gewinnen Sie etwas Klarheit, wenn Sie für sich selbst einige Fragen beantworten:

  • Sie schreiben, er sei durch Sie zu einem besseren Menschen geworden. Welches Kompliment, welche Anerkennung wünschen Sie sich von Ihrem Partner darüber hinaus?
  • Wie wichtig ist Ihnen Lob und Anerkennung?
  • So wie Ihr Partner sich offenbar in den vergangenen Jahren verändert hat: Welche Veränderungen haben Sie bei sich erlebt oder sich vorgenommen und erreicht?

Sie formulieren die Furcht, dass „es“ niemals aufhört und diese Beziehung zum Scheitern verurteilt ist. Das ist eine interessante Formulierung. Wer oder was ist „es“? Das Misstrauen? Oder ist es „Ihr“ Misstrauen? Welcher Richter verurteilt Beziehungen zum Scheitern? Sind nicht einzig die beiden Partner in der Position, eine solche Entscheidung zu treffen? Mit Ihrer neutralen Beschreibung reduzieren Sie Ihren eigenen Einfluss. Mein Eindruck ist, Sie hadern mit Ihrer Beziehung mehr als Ihnen lieb ist. Die bisherigen Veränderungen Ihres Partners scheinen für das Bild, das Sie von einer Beziehung haben, nicht ausreichend zu sein und das zeigt sich nun in diesem Konflikt. Durch Ihren Blick zurück verbauen Sie sich den Blick nach vorne. Ich vermute, dass Sie sich von Herzen ein Zeichen Ihres Partners wünschen, Ihre Beziehung nach vier Jahren auf eine neue Stufe zu stellen. Sie könnten darauf den gemeinsamen Fokus legen, statt sich an einer alten Geschichte abzuarbeiten, die wie Sie sagen, während  einer Trennungsphase geschehen ist.

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Sie haben auch Fragen? So erreichen Sie uns:

(Mo.–Fr., 9–18 Uhr)

redaktion@beziehungsweise-magazin.de
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Über den Autor/die Autorin

Eric Hegmann

Liebe macht glücklich. Unser CLO (Chief Love Officer) verantwortet die redaktionellen Inhalte von beziehungsweise. Eric Hegmann ist Autor zahlreicher Bücher rund um Partnerschaft und Partnersuche und berät Singles und Paare. Arbeitsschwerpunkte: Bindungsangst und Verlustangst ( Beziehung mit Narzissten , emotionale Abhängigkeit), Beziehungsunfähigkeit sowie Streit- und Kommunikationskultur von Paaren (Sprache der Liebe). Der Wahlhamburger ist verheiratet und lebt und arbeitet seit 25 Jahren neben der berühmtesten "Liebes-Meile" der Welt: der Reeperbahn.